
Die 29. Olympischen Spiele stehen unmittelbar bevor. Nach Tokio 1964 und Seoul 1988 finden sie bereits zum dritten Mal in Asien statt. Dass ausgerechnet Peking als Austragungsort gewählt wurde, stieß schon im Vorfeld auf Unverständnis und Kritik. Warum die diesjährigen Olympischen Spiele für so viel Brisanz sorgen - body LIFE klärt auf.
Es sollen die größten Olympischen Spiele aller Zeiten werden. Rund 10.500 Athleten aus 205 Nationen werden in 28 Sportarten und insgesamt 302 Wettbewerben um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Für das Großevent, das vom 8.–24. August stattfindet, wurden fast 40 Milliarden Dollar investiert. Mit dem Geld wurden unter anderem die zwölf neuen Austragungsstätten erbaut und die Infrastruktur durch den Bau von Autobahnen, U-Bahnen und Hotels verbessert. Experten rechnen mit ungefähr einer Million Besucher aus aller Welt. Aber nicht nur auf Grund der enormen Investitionen stehen diese Olympischen Spiele auf der ganzen Welt im Fokus des öffentlichen Interesses.
Sportler kritisieren Umweltbedingungen
Als 2001 bekannt wurde, dass Peking die Olympischen Spiele 2008 ausrichten wür- de, sorgte dies weltweit für Unverständnis. Viele Sportler, die sich einen Überblick über die Bedingungen vor Ort verschafften, bemängelten die katastrophalen Umweltbedingungen. Neben einer übermäßigen Verschmutzung der Flüsse und Problemen bei der Trinkwasserversorgung werden vor allem die Luftverschmutzung, der hohe Gehalt an Feinstaub und der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid kritisiert. Die Luftqualität Pekings gilt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der schlechtesten der Welt. Ausschlaggebend dafür sind sowohl zahlreiche Fabrikanlagen und Kraftwerke als auch das hohe Verkehrsaufkommen rund um Peking. Die Sportler befürchten, dass der Smog, der über der Stadt hängt, die Vorbereitung auf die Wettkämpfe stark beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit während der Sommermonate für die Athleten eine enorme Belastung darstellen.
Gigantische Sportstätten
Damit die Olympischen Spiele – trotz Kritik und Proteste – zu einem unvergesslichen Sportereignis werden, hat man in Peking keine Kosten und Mühen gescheut und Unsummen in den Bau neuer Sportstätten investiert. Besonders beeindruckend sind vor allem das neue Nationalstadion sowie die neugebaute Schwimmhalle. Das Nationalstadion soll das Herzstück der Olympischen Spiele werden. Der „Spiegel“ betitelte das Kunstwerk als „schönste Sportarena seit dem Kolosseum in Rom“. Am Stadionbau waren bis zu 10.000 Arbeiter gleichzeitig beteiligt. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 325 Millionen Euro. Realisiert wurde das Projekt von den Schweizer Architekten Herzog und de Meuron, die bereits für den Bau der Münchner Allianz-Arena verantwortlich waren. Auch die 100 Millionen teure Schwimmhalle hat aus architektonischer Sicht eine Medaille verdient. Mit 17.000 Sitzplätzen gehört sie zu den größten der Welt. Die Bauzeit für den „Wasser-Würfel“ betrug fünf Jahre (Quelle: Deutscher Behindertensportverband e.V.).
Über 1.000 Ausdauer- und Kraftgeräte
Auch beim Fitnessequipment setzt man in China auf Bewährtes: Nach Sydney 2000, Athen 2004 und den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin hat man sich erneut für Technogym als alleinigen und offiziellen Fitnessstudioausstatter entschieden. Das Unternehmen wird in Peking zehn Trainingsstätten inklusive des Hauptfitnessstudios im olympischen Dorf mit 1.000 Ausdauer- und Kraftgeräten ausstatten. Außerdem wird den Angestellten des BOCOG (Organisationskomitee der Spiele in Peking) ein Wellness-Center und den ca. 20.000 Journalisten ein weiteres Studio während den Spielen zur Verfügung stehen. Zahlreiche Trainer, allesamt mit Zulassungen im Profisport, kümmern sich um die Betreuung der Athleten.
Internationale Protestaktionen
Auch in der Öffentlichkeit stieß die Wahl Pekings durch das IOC (Internationales Olympisches Komitee) auf Unverständnis. Vor allem die Unruhen in Tibet gegen die chinesische Besatzung und deren blutige Niederschlagung waren Auslöser für weltweite Proteste und Boykottaufrufe von Menschenrechtsorganisationen und Prominenten. Aus diesem Grund nahm beispielsweise Hollywood-Regisseur Steven Spielberg im Februar seine Beteiligung bei der Eröffnungsfeier zurück. Die Protestaktionen gipfelten bei der Fackel-Zeremonie in Griechenland, als drei schwarz gekleidete Pro-Tibet-Aktivisten das Entzünden des Olympischen Feuers verzögerten.
Auch die Umsiedlung von ca. 1,5 Millionen Menschen, die aufgrund von Bauvorhaben ihr Zuhause verlassen mussten, und die Korruptionsvorwürfe gegen den damaligen Vize-Bürgermeister Pekings, Liu Zhihua, der für die Olympia-Bauten und die Vergabe von Grundstücken zuständig war, werfen kein gutes Licht auf Peking als Austragungsort.
Ausblick
Die Olympischen Spiele in Peking sorgten schon lange vor der Eröffnungsfeier für mächtig Wirbel und Aufsehen. Bleibt zu hoffen, dass während der Spiele alleine die sportlichen Erfolge der Athleten für Schlagzeilen sorgen werden und es ein unvergessliches Sportereignis wird.
Constantin Wilser