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Jannes Schellhas und Marcel John von Transatlantic Fitness (v.l.)

Interview mit Jannes Schellhas und Marcel John, Transatlantic Fitness

body LIFE: Seit Unternehmensgründung 2009 etabliert Transatlantic Fitness funktionelle Trainingskonzepte und -geräte aus den USA in Europa. Damals steckte Functional Training in Europa noch in den Kinderschuhen. Warum warst Du von Deiner Idee überzeugt?

Marcel John: Functional Training ist ja keine Innovation oder Revolution der Fitnesslandschaft. Schon in den 80er Jahren wurde mit ganzheitlichen Bewegungsabläufen in der Reha und Physiotherapie gearbeitet. Und auch im Schulsport gab es sicherlich die ein oder andere Sportstunde, in der Liegestütze gemacht wurden und Medizinbälle zum Einsatz kamen. Der Hype wurde in Deutschland sicherlich durch das damals noch von vielen belächelte Athletiktraining der Fußballnationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann ausgelöst. Der damalige Athletiktrainer des DFB war Mark Verstegen. Ich hatte das Glück, bei Mark damals einen Teil meiner Ausbildung zum PT zu machen. So bin ich mit Functional Training in Berührung gekommen. Functional Training ist hocheffizient und macht sehr großen Spaß. In den USA war Functional Training in vielen Spitzenvereinen damals bereits fester Bestandteil der Trainingsroutine. Es war für mich klar, dass sich diese Trainingsform auch in Europa durchsetzen wird.

body LIFE: Ist es so, dass die Produkte, die in den USA erfolgreich sind, automatisch auch gut in Europa ankommen? Welche Kriterien müssen Konzepte und Trainingsgeräte erfüllen, damit Ihr diese in Eurem Portfolio aufnehmt?

Jannes Schellhas: Das kann man so pauschal nicht sagen. Wie in allen Branchen, gibt es natürlich auch in der Fitnessbranche unterschiedliche Märkte, die es unterschiedlich zu bedienen gilt. Ein Beispiel: Im Functional Training ist die Education der Schlüssel zum Erfolg. Schauen wir nach Italien, wo 90 Prozent der Trainer nicht festangestellt sind und größtenteils Aus- und Vorbildungen aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Wir haben in Italien dadurch prozentual deutlich weniger ausgebildete RockTape-Trainer als in Deutschland, wodurch der Marke wertvolle Multiplikatoren fehlen. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass sich die großen Ideen und Marken immer auch global durchsetzen - natürlich vorausgesetzt, die Distributionsstrategie stimmt.

Marcel John: Europa hat aber aufgeholt. Es gibt auch bei uns tolle Marken und Konzepte, die zu uns passen, und deshalb haben wir mittlerweile viele Marken, die nicht aus Amerika stammen. Bevor wir eine Marke in unser Portfolio aufnehmen, stellen wir uns zuerst zwei Fragen: Passt die Marke zu unserer Unternehmensphilosophie und bereichern die Produkte unser bestehendes Portfolio? Können wir beide Fragen mit "Ja" beantworten, geht das Testen los. Sind wir dann von den Produkten überzeugt, können wir ein neues Mitglied in der TF-Markenfamilie begrüßen.

body LIFE: Neben den Produkten und Konzepten bietet Transatlantic Fitness auch Aus- und Fortbildungen an. Wie wichtig ist das Thema "Ausbildung" - im Functional Training - auch hinsichtlich des wirtschaftlichen Erfolgs?

Marcel John: Ganz klar steht und fällt mit der Ausbildung der Trainer der Erfolg des funktionellen Trainingsbereichs im Studio. Die Erfahrung von fast zehn Jahren zeigt uns: Nur mit topgeschulten und motivierten Trainern funktioniert funktionelles Training für die Clubbetreiber, unabhängig von der Qualität und Optik der Geräte. Allerdings gibt es hier auch regionale Unterschiede. Wir haben bemerkt, dass in Ballungszentren und Großstädten die Betreuung nicht so intensiv sein muss wie in provinziellen Gegenden. Wie eingangs gesagt, das Schöne am Functional Training ist, dass es viel Spaß macht. Das Training findet häufig in Gruppen oder Kleingruppen statt, man schaut sich an, feuert sich an, lacht sich an. Wenn andere Mitglieder das sehen, bekommen sie Lust mitzumachen. Ein Functional-Training-Bereich, der besonders zur Anfangszeit nicht bespielt wird, entwickelt diese Sogwirkung nicht und anders als Cardio- oder Kraftmaschinen, ist sie für die meisten Mitglieder nicht selbsterklärend. Von daher haben wir von Anfang an Wert auf die Ausbildung des Trainerteams gelegt.

body LIFE: Immer mehr Micro- und Boutique Studios erobern den Markt. Was bedeutet diese Entwicklung für Euer Unternehmen allgemein und im Speziellen für das Produktportfolio?

Jannes Schellhas: Diese Entwicklung ist für uns sehr spannend und wir beschäftigen uns nun schon seit einiger Zeit damit, wie wir den neuen Anforderungen und Bedürfnissen der Studiobetreiber gerecht werden können. Auf der FIBO haben wir deshalb zum ersten Mal unser neues Konzept "3ZONE" vorgestellt. Ein Konzept, das sowohl als einzelnes Microstudio als auch als Gym-in-Gym-Konzept funktioniert. Wir haben gelernt, dass die Mitarbeiterfluktuation und der damit einhergehende Wissensverlust ein großes Problem für die Studios ist. Deshalb liegt bei der "3ZONE" ein besonderer Fokus auf der Ausbildung und - ganz wichtig - der durchgehenden Betreuung der Trainer. Zwei weitere Clous der "3ZONE" sind das herzfrequenzgesteuerte Training und der relativ geringe Betreuungsaufwand von nur einem Trainer, der 16 Personen gleichzeitig trainieren kann. Finden keine Kurse statt, wird die "3ZONE" zum open Gym, wodurch der Raum optimal genutzt wird. Wir haben auf der FIBO tolles Feedback erhalten.

body LIFE: Was funktioniert in den Clubs Eurer Erfahrung nach gut, wo besteht Optimierungsbedarf?

Marcel John: Das größte Manko liegt in der ungenügenden oder fehlenden Ausbildung der Trainer und den falschen Konzepten für den jeweiligen Club. Natürlich wird in einem Studio, das einen Altersdurchschnitt von 45 Jahren hat, ein anderes funktionelles Training verlangt als in einem Club mit einem Altersdurchschnitt von 20 Jahren. Hier werden leider manchmal auch falsche Konzepte und falsche Geräte verkauft.

body LIFE: Transatlantic Fitness ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Seit ca. drei Monaten bist Du, Jannes, Mitglied der Geschäftsführung. Was genau sind Deine Aufgaben?

Jannes Schellhas: Das stimmt. Als ich vor viereinhalb Jahren bei Transatlantic Fitness angefangen habe, hatten wir die Distributionsrechte für vier Marken. Heute haben wir 15 Marken exklusiv und mit FUNS unsere eigene Marke. Das ist ein rasantes Wachstum und es ist in der jetzigen Phase auch wichtig, dass wir uns nicht selbst überholen und uns immer wieder darauf fokussieren, was uns ausmacht und erfolgreich gemacht hat. Meine Aufgabe ist sicherlich auch, darauf zu achten, dass "der Schuster bei seinen Leisten bleibt" (lacht). Daneben bin ich für das operative Geschäft zuständig.

body LIFE: 2017 war, unter anderem mit zwei gewonnenen body LIFE-Awards, ein sehr erfolgreiches Jahr für Euer Unternehmen. Wie sehen die Pläne und Ziele von Transatlantic Fitness aus?

Jannes Schellhas: Oh ja, die beiden Awards waren tatsächlich eine große Überraschung und Ehre für uns. Wir waren zum ersten Mal nominiert und dann gleich zwei Awards - das war ein Highlight im letzten Jahr für uns. Das große Ziel ist es natürlich, die Awards auch in diesem Jahr zu verteidigen (lacht).

Marcel John: Für die Zukunft haben wir das Ziel, uns weiterhin im Markt als der Functional-Training-Experte zu etablieren und innovative, spannende Produkte und Konzepte zu vertreiben oder selbst zu entwickeln. Und das alles unter der Prämisse, wie Jannes gerade gesagt hat, "Schuster, bleib bei deinen Leisten". Ein kurzfristiges Ziel ist es jetzt, mit unserem dritten Functional Business Campus im The Gym in Großwallstadt am 17. Mai ein weiteres tolles Event auf die Beine zu stellen.

body LIFE: Vielen Dank für das Interview.

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