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Volker Lichte hatte schon einen Voucher für ein Achtelfinale mit deutscher Beteiligung vom DFB erhalten (Foto: Volker Lichte)

Das Zugeben der Unwissenheit ist der erste Schritt zur Weisheit

Die Vorfreude war groß, der Voucher für ein Ticket lag bereit und Volker Lichte, MATRIX Account Manager, war quasi auf dem Sprung nach Petersburg. Doch es kam anders und die DFB-Elf musste - wie etliche amtierende Weltmeister zuvor - das frühzeitige Scheitern erleben. Können Weltmeister einfach keine Weltmeister werden? Volker Lichte, der die Fußball-Nationalmannschaft schon im Trainingslager in Südtirol begleitete und auch in Moskau vor Ort war, wirft einen differenzierten Blick auf das Geschehene und skizziert, welcher Transfer auf das Alltagsbusiness möglich ist.

Nach dieser Enttäuschung suchen wir alle eine Erklärung und sind dabei oft allzu schnell mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen oder absoluten Wahrheiten. Selbstverständlich komme auch ich als Fußballbegeisterter nicht umhin, nach Gründen für das Geschehene zu suchen, die jedoch auch ich nur durch meine persönliche Wahrnehmung schlussfolgern kann.

Fußball-Weltmeister werden

Am Ende wird nicht immer die qualitativ beste Mannschaft Weltmeister, sondern das Team, das es geschafft hat, alle Energien positiv in die Leistung auf dem Platz und "auf den Punkt" zu bringen, sowie geschlossen als Mannschaft aufzutreten!
Das Erfolgsrezept : Erfolg ergibt sich allgemein zu 1/3 aus den Antriebskräften und zu 2/3 aus der Reduzierung der Bremskräfte. Wir haben alle registriert, dass bereits in der Vorbereitung in Eppan, als auch fortwährend in Moskau atmosphärische Störungen aufgetreten sind. Es lief irgendwie nicht rund und reibungslos. Der Fokus war dadurch nicht gegeben. Meiner Meinung nach entstand jedoch die größte Bremskraft aus dem erfolgreichen Confed Cup und der U21 EM im Sommer 2017.

Fußball Deutschland fühlte sich unbesiegbar

Denn ist es nicht auffällig, dass nach einer höchst überzeugenden WM Qualifikation, just ab diesem Zeitpunkt, die Mannschaft kein überzeugendes Spiel mehr gemacht hat? Es mag daran gelegen haben, dass zwei Mannschaften in einer Mannschaft entstanden. Zum einen die arrivierten Weltmeister und zum anderen die aufstrebenden jungen Confed-Cup-Sieger. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass damit Konflikte verbunden sind, aber es führte einfach zu unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven in Bezug auf das Geschehen. Die das Team verbindenden Führungskräfte und emotionalen Antreiber aus 2014 wie Lahm, Schweinsteiger, Mertesacker, Podolski und Klose waren nicht mehr an Bord.

Das gab es doch schon einmal - WM 1994 in den USA 

Beide "Mannschaften" haben bewiesen, dass sie erfolgreich Fußball spielen und Titel erringen können. Nur mit dem großen Unterschied: die eine "Mannschaft" hatte schon das allergrößte Ziel erreicht, was es gibt, sie wurde Weltmeister und das demonstrierte und zeigte sie eindeutig. Es bestand nun die Herkulesaufgabe aus zwei Topmannschaften (WM/Confed Cup) ein noch besseres "Top Team" zu formen.
Das Prinzip der Synergie, wenn eins und eins nicht zwei, sondern fünf, zehn oder 100 ist. Eine sehr große Herausforderung. Dies ist nicht gelungen, das zeigen die Spiele. Im Vorfeld hörte man Stimmen "das Team ist stärker als 2014!" und "das wird schon, wir werden weit kommen". Zugegeben, das haben wir alle gedacht. "Wenn das Turnier losgeht, dann sind wir wieder voll dabei. Deutschland ist eine Turniermannschaft". So ging es den meisten von uns. Eine Fehleinschätzung wie sich herausgestellt hat. Die schwachen Auftritte vor der WM wurden nicht ernst genommen und genau so ging man dann in das Spiel gegen Mexiko. Der Anfang vom Ende...

Das hatten wir übrigens schon einmal bei der WM1994 in den USA mit dem damaligen "Führungsspieler" Stefan Effenberg. Auch nach dem Weltmeister Titel 1990 hieß es "wir sind auf Jahre unbesiegbar", so damals Beckenbauer. Seinerzeit sollte durch die Wiedervereinigung auch aus zwei Teams DDR und BRD ein "Top Team" geformt werden. Dieses Vorhaben gelang nicht. Übrigens galt auch das 1994er Team "besser" als das der 1990er Weltmeister.

Was können wir daraus lernen?

  1. Es ist immer ein schmaler Grat zwischen (trügerischer) Selbstsicherheit und Überheblichkeit, denn die Übertreibung von Stärken sind Schwächen!
  2. Als Führungskraft ist es stets eine große Herausforderung bestehende etablierte Mitarbeiter mit neuen jungen aufstrebenden Kräften zusammen zu führen. Das betrifft die Ansprachen, Motivation und die Dankbarkeit.
  3. Der Zwiespalt, an Bestehendem festzuhalten oder neue Wege zu gehen. Erst die Begeisterung für ein neues Ziel oder zu großer Leidensdruck erzeugt Veränderung. Änderungen sind wichtig, aber sie müssen in das Gesamtkonzept passen.

Es gibt noch viele weitere Faktoren wie z.B. der aktuelle Leistungszustand der Spieler (Bundesliga), Leichtigkeit und Spielfreude oder auch der Teamspirit und Zusammenhalt, allesamt Voraussetzungen für die Leistung auf dem Platz.

Aus MATRIX Sicht sind wir jedenfalls stolz darauf der "offizielle Fitnessgeräte- Ausstatter " der deutschen Fußball Nationalmannschaft zu sein und werden ebenfalls alles daran setzen dem Athletiktrainer-Team neue Impulse in dem Fitnesssegment zu geben.

Persönliches Fazit

Lasst uns einfach demütig und mit weniger Erwartungen nach vorne schauen. Lasst uns dieses Scheitern als Neuanfang und somit als Chance sehen. Lasst uns aus Fehlern lernen und den Mut haben Dinge zu ändern Es gibt Siege und Niederlagen, übrigens das ist der Sinn des Spielens und in gewisser Weise auch des Lebens!

Lesen Sie auch die ersten beiden Artikel von Volker Lichte:

Teil 1: Eindrücke aus dem DFB-Trainingslager in Südtirol

Teil 2: Den 5. Titel im Blick: DFB-Team bezieht Quartier in Russland 

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