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Nahrungsergänzungsmittel werden von Sportlern genutzt, um ihre Leistungsfähigkeit, ihre Regeneration und ihre Gesundheit zu verbessern. Ein in den vergangenen Jahren in den Fokus der Wissenschaft gerücktes Supplement sind Kakaoflavanole, die unter anderem in dunkler Schokolade enthalten sind. Die aktuelle Studienlage zur Wirkung von Kakaoflavanolen wurde nun in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.

Verlockend klingt es schon: ein Stück dunkle Schokolade genießen und dabei etwas für seine Leistung, seine Regeneration und seine Gesundheit tun. Doch was ist dran an diesem vielversprechenden Gedanken?
Dunkle Schokolade enthält Kakaoflavanole, die erwiesenermaßen ein hohes Gesundheitspotenzial bergen. So wurde neben einer Reduktion der Thrombozytenaktivität auch deren blutdrucksenkende und entzündungshemmende Wirkungsweise nachgewiesen. Darüber hinaus schützen Kakaoflavanole vor oxidativem Stress und verbessern die Insulinsensitivität sowie das Lipidprofil. Viele dieser gesundheitsförderlichen Effekte von Kakaoflavanolen basieren auf ihrer Eigenschaft, die Produktion von Stickstoffmonoxid zu stimulieren. Neben diesen allgemeinen Wirkungen wurden in den letzten Jahren vermehrt Studien veröffentlicht, die die Effekte von Kakaoflavanolen in einem Sportkontext untersuchten. In einem kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Sports Medicine veröffentlichten Übersichtsartikel wurden die Effekte dieser Mikronährstoffe auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Regeneration sowie auf bewegungsinduzierte Veränderungen gesundheitsbezogener Parameter zusammengetragen. 1 Hierzu zählen neben oxidativem Stress und der Gefäßfunktion auch Entzündungsparameter sowie Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel.

Oxidativer Stress

Fast alle der betrachteten Studien zeigten eine Erhöhung der antioxidativen Kapazität im Anschluss an verschiedene Trainingsprogramme, wenn zusätzlich Kakaoflavanole zu sich genommen wurden. Diese spiegelte sich in einer geringeren Anzahl an Sauerstoffradikalen und einer geringeren oxidativen Schädigung wider, was bei akuter und subchronischer Einnahme (etwa zwei Wochen) gezeigt werden konnte. Prinzipiell ist dies eine positive Erkenntnis, da ein hohes Level an oxidativem Stress das Entstehen verschiedener Krankheiten begünstigt. Allerdings ist ein moderates Level an Sauerstoffradikalen notwendig, um als Folge eines Trainings leistungssteigernde Mechanismen hervorzurufen. Daher scheint die Zufuhr von Kakaoflavanolen während eines „normalen“ Trainingsprogramms bei gesunden Menschen weniger geeignet zu sein.

Gefäßfunktion

Die Kombination von Sport und Kakaoflavanolen verspricht einen positiven Effekt auf die kardiovaskuläre Gesundheit. So erhöht sich die durchflussvermittelte Dilatation, das heißt die Erweiterung einer Arterie, wenn der Blutfluss in dieser Arterie zunimmt. Ebenfalls wird der Blutdruck stark reduziert. Wichtig dabei ist die Kombination von Sport und Kakaoflavanolen: Die subchronische (186 mg über zwei Wochen) und chronische Einnahme (902 mg über drei Monate) dieser Mikronährstoffe begleitend zu einem Fitnessprogramm führte zu Verbesserungen der durchflussvermittelten Dilatation und des Blutdrucks sowohl bei Mannschaftssportlern als auch bei übergewichtigen Männern. Im Gegensatz dazu konnten in einer anderen Untersuchung keine solchen Effekte ermittelt werden, wenn während eines zweiwöchigen Zeitraums nur Kakaoflavanole ohne zusätzliches Training zu sich genommen wurden.
Sowohl ein Training bei niedriger Intensität als auch die Einnahme von Kakaoflavanolen dämmt die sogenannte Plättchenaktivierung ein, was für die Prävention verschiedener Krankheitsbilder wie der koronaren Herzkrankheit oder Arteriosklerose interessant ist. Allerdings wurde die Effektivität einer Kombination bisher noch nicht wissenschaftlich geprüft. Im Gegensatz zu niedrigen Intensitäten führt ein anstrengendes Training zu einer erhöhten Plättchenaktivierung und damit zu einem gesteigerten Herzinfarktrisiko während des Sports. In der Theorie könnten Kakaoflavanole diesem negativen Effekt entgegenwirken – die Studienlage hierzu ist allerdings nicht einheitlich. So führte die einwöchige Einnahme zu keiner Verringerung der sportinduzierten Plättchenaktivierung in einer Studie australischer Forscher, während dieselbe in einer US-amerikanischen Untersuchung bei einer Gruppe trainierter Fußballer deutlich reduziert war.

Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel

Die existierenden Studien bestätigen den Einfluss von Kakaoflavanolen auf den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel während des Trainings, jedoch sind die Effekte eher klein. Eine kurzzeitige Gabe (89 mg) erhöht demnach die Blutglukosekonzentration während des Sports, was wiederum die Leistung bei längeren Belastungen begünstigt. In einer weiteren Untersuchung führte die Einnahme einer vergleichbaren Menge an Kakaoflavanolen zu einem Anstieg des Fettstoffwechsels und der Mobilisation freier Fettsäuren während der Belastung bei gut trainierten Sportlern. Diese Wirkung ist vor allem für Ausdauersportler von Bedeutung, da hierdurch wertvolle Kohlenhydratreserven geschützt werden, aber auch für Gesundheitssportler, die Gewicht verlieren wollen.
Während regelmäßiges Sporttreiben und eine chronische Gabe (ca. 3 Monate) von Kakaoflavanolen unabhängig voneinander die Insulinresistenz verbessern und cholesterinsenkend wirken, zeigt deren Kombination in den wenigen hierzu durchgeführten Studien keine zusätzlichen Effekte. Um jedoch abschließende Aussagen treffen zu können, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Leistung und Regeneration

Kakaoflavanole sind in der Lage, den belastungsinduzierten oxidativen Stress zu reduzieren und die Gefäßfunktion, den Kohlenhydrat- und den Fettstoffwechsel bei körperlicher Aktivität zu verbessern. Diese Effekte resultieren der aktuellen Studienlage nach jedoch nicht in einer erhöhten Leistungsfähigkeit bei trainierten Sportlern – eine Erkenntnis, die über vier unabhängige Studien unter akuter sowie subchronischer Gabe von Kakaoflavanolen und unter Verwendung verschiedener Belastungsprotokolle hinweg gleich war. Lediglich eine Untersuchung konnte eine positive Wirkung bei einem zweiminütigen Zeitfahren nachweisen; allerdings war die Studie mit methodischen Mängeln behaftet. Ein Grund für die ausbleibende Leistungssteigerung durch Kakaoflavanole könnte sein, dass die antioxidative Kapazität, der Stoffwechsel, die Gefäßfunktion und die Stickstoffmonoxidproduktion bei trainierten Sportlern schon optimiert sind. Die zusätzlichen Effekte durch die Einnahme der Mikronährstoffe sind daher wahrscheinlich zu klein, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Im Gegensatz dazu weisen einige Ergebnisse darauf hin, dass der reduzierte oxidative Stress zu einer beschleunigten Regeneration führt. Ein weiterer positiver Befund bezieht sich auf weniger trainierte Menschen. Diese konnten ihre maximale Sauerstoffaufnahme über einen dreimonatigen Zeitraum mit einer Gabe von ca. 200 mg signifikant verbessern.

Praktische Empfehlungen

Um oxidativen Stress zu reduzieren und die Gefäßfunktion zu verbessern, empfehlen die Autoren der Übersichtsarbeit die akute Einnahme von 430 mg oder mehr an Kakaoflavanolen vor dem Training. Darüber hinaus empfiehlt sich die Kombination von Sport und Kakaoflavanolen über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen, wenn das Ziel die Regulierung des Blutdrucks sowie die Erhöhung der antioxidativen Kapazität und die Optimierung des Stoffwechsel ist. Aufgrund der ausgeprägten Wirkung auf die Produktion von Stickstoffmonoxid und die antioxidative Kapazität sind Kakaoflavanole vor allem für gut trainierte Sportler vor oder während Perioden einer erhöhten Trainingsbelastung sowie eingeschränkter Regenerationsmöglichkeiten zu empfehlen. Auch ältere Menschen mit erhöhten Entzündungswerten und solche, die an Diabetes, Übergewicht, Krebs oder kardiovaskulären Krankheiten leiden, können profitieren.

Schokolade oder Supplement?

Schokoriegel enthalten relativ geringe Mengen an Kakaoflavanolen, die zudem je nach Charge variieren können. Da die größten positiven Effekte bei der Einnahme von 400 mg oder darüber auftraten, wird die gezielte Zufuhr durch Supplemente statt durch normale dunkle Schokoriegel empfohlen. Dies kann z.B. in Form eines Getränks mit zusätzlicher Kohlenhydratzufuhr geschehen, was die Bioverfügbarkeit optimiert.

Fazit

Sowohl die kurzfristige und subchronische (über etwa zwei Wochen) als auch die chronische Einnahme (über etwa drei Monate) von Kakaoflavanolen wirkt sich positiv auf belastungsinduzierten oxidativen Stress aus. Ebenfalls verbessern Kakaoflavanole die Gefäßfunktion, reduzieren den Blutdruck und steigern den Kohlenhydrat- und den Fettstoffwechsel. Einen Leistungszuwachs sollten vor allem trainierte Menschen nicht erwarten, während Untrainierte von einer langfristigen Zufuhr von Kakaoflavanolen profitieren könnten.

Stefan Altmann

Literatur:
1Decroix, L., Soares, D. D., Meeusen, R., Heyman, E., &
Tonoli, C. (2018). Cocoa Flavanol Supplementation and
Exercise: A Systematic Review. Sports Medicine, 1–26.

Foto: BigLike Images – stock.adobe.com

Stefan Altmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sport und Sportwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und beschäftigt sich mit den Themen „Fitness im Alter“ sowie „Ausdauer- und Schnelligkeitsdiagnostik“.

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