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Effektive Kombination, um Fettmasse zu verlieren. Foto: racorn/shutterstock.com
Foto: racorn/shutterstock.com

Die Wirkung von Ganzkörper-EMS-Training und gleichzeitiger Proteinsupplementierung 

Nicht nur aus ästhetischen Gründen ist eine positive Veränderung der Körperzusammensetzung – der Aufbau von ­Mager- und der Abbau von Fettmasse – im Fokus der Gesellschaft. Übergewicht und Adipositas stellen in Deutschland ein immer größer werdendes Problem dar. Laut Bundesamt für Statistik war 2013 jeder zweite Bürger (62 Prozent der Männer, 43 Prozent der Frauen) übergewichtig; 16 Prozent waren sogar stark übergewichtig1, 2. ­Übergewicht und ­Adipositas sind Risikofaktoren für u.a. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einige Krebs­arten3, 4, 5. Aus gesundheitlicher Sicht sollte die Reduzierung des Körpergewichts vorrangig über den Abbau von Körperfett bei Erhalt der Muskelmasse gelingen6.

Blickt man auf die aktuelle Studienlage, scheinen vor allem zwei Komponenten bedeutend zu sein, um bei einer negativen Energiebilanz durch Energierestriktion (und dadurch Abnahme an Körpergewicht) vorrangig Fettmasse zu verlieren und Muskelmasse zu bewahren: die Erhöhung der Proteinaufnahme und/oder Krafttraining7, 8, 9, 10. Der Frage, ob auch eine alternative Trainingstechnologie im Krafttrainingsbereich – das sogenannte Ganzkörper-Elektromyostimulations-Training (whole-body electromyostimulation, kurz WB-EMS) – in Verbindung mit einer Proteinsupplementierung ähnliche Wirkung erzielt, geht aktuell das Institut für Medizinische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg nach. So bescheinigen frühere Studien dem WB-EMS-Training ähnlich gute Erfolge im Hinblick auf den Aufbau von Muskelmasse sowie den Abbau von Fettmasse wie einem hochintensiven Krafttraining11.

Positiver Einfluss auf die ­Körperzusammensetzung

Selbst ohne eine bewusst induzierte negative Energiebilanz konnte der positive Einfluss der Kombination WB-EMS und Proteinsupplementierung auf die Körperzusammensetzung und andere gesundheitliche Parameter wissenschaftlich nachgewiesen werden12. Untersucht wurden hierbei 100 über 70-jährige Männer mit Sarkopenie (geringe Muskelmasse) und Adipositas (Fettleibigkeit). Über 16 Wochen wurde in drei Gruppen (WB-EMS und additive Proteingabe, kurz WB-EMS & P, vs. alleinige Protein-Supplementierung, kurz Protein, vs. reine Kontrollgruppe, kurz KG) die Veränderung von Ganzkörperfettmasse sowie skelettaler Muskelmasse gemessen. 

Beide Gruppen mit additiver Proteingabe ergänzten mittels Molkeproteinpulver auf eine tägliche Eiweißbilanz von 1,7–1,8 g Protein/kg Körpergewicht/d. Die Gruppe WB-EMS & P führte zudem über die 16-wöchige Intervention 1,5 x pro Woche ein konsequent überwachtes und angeleitetes (ein Übungsleiter und zwei Übende gemäß WB-EMS-Richtlinien13) 20-minütiges dynamisches WB-EMS-Training mit einem intensiven Belastungsgrad durch. 

Die fettfreie Körpermasse erhöhte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe in beiden Proteingruppen signifikant, wobei die WB-EMS-&-P-Gruppe signifikant deutlicher profitierte (WB-EMS & P: 3,3 % vs. Protein: 2,0 %). Die Veränderung des Gesamtkörperfetts zeigte ähnlich positive Tendenzen zu Gunsten der Studiengruppe WB-EMS & P. Auch hier verbesserten sich beide Interventionsgruppen mit Proteinsupplementierung im Vergleich zur reinen Kontrollgruppe signifikant. Die größten Abnahmen an Körperfettmasse wurden mit 6,5% in der Studiengruppe WB-EMS & P festgestellt, die Proteingruppe nahm 3,2% an reiner Körperfettmasse ab (beide p<0.001).

Weitere bereits eingereichte, aber noch nicht veröffentliche Ergebnisse derselben Studie bescheinigen dem Konzept WB-EMS und Proteinsupplementierung zudem sehr positive Einflüsse auf Muskeldichte, abdominales/viszerales Fett sowie weitere kardiometabolische Risikofaktor

Positive Tendenzen bei täglicher Energierestriktion  

Eine laufende Untersuchung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bezieht im Kontext WB-EMS und Proteinsupplementierung eine bewusst auferlegte tägliche Energierestriktion – vorrangig über die Einschränkung von Zuckerkalorien – mit ein. Untersucht werden prämenopausale Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren mit einem erhöhten Körperfettanteil von über 28 Prozent, die auf ein tägliches Kaloriendefizit von -500 kcal gesetzt sind. Eingeteilt in drei Gruppen (Proteingaben: Gruppe 1 = 1,2 g Protein/kg Körpergewicht/d; Gruppe 2 und 3 = 1,7 g Protein/kg Körperge-wicht/d), werden zu Beginn und am Ende von 16 Wochen Intervention Muskelmasse und Körperfett sowie Laborwerte analysiert. Gruppe 3 führt zudem ein ähnliches eng betreutes, dynamisches WB-EMS-Training durch wie bei der zuvor beschriebenen Studie. 

Erste Ergebnisse zeigen auch hier, dass die Trainingsgruppe mit WB-EMS plus additiver Proteingabe innerhalb der Gewichtsreduktion ausschließlich Körperfettmasse bei Erhalt der Magermasse verliert. Zudem lassen die ersten Messungen auch positive Tendenzen bei den Veränderungen von kardiometabolischen Risikofaktoren erkennen. Wissenschaftlich belastbare Ergebnisse können aber erst nach dem zweiten Studienabschnitt im Laufe des kommenden Jahres berichtet werden.

Fazit

Die Verbindung von WB-EMS-Training und einer erhöhten Eiweißaufnahme hat grundsätzlich sehr positive Effekte auf die Körperzusammensetzung und (damit verbundene?) gesundheitliche Risikofaktoren. Im Bereich des Muskelerhalts bei Gewichtsreduktion sind besonders methodische Probleme bei der Einhaltung der Ernährungsempfehlungen sowie der Eiweißgabe zu beachten. Im Detail ist weitere Forschungsarbeit notwendig, um Komponenten wie optimale Höhe der täglichen Eiweißbilanz, Höhe des Kaloriendefizits, Optimierung des Energieverbrauchs, Ökonomisierung oder anderweitige beeinflussende Größen zu optimieren.

Die positive Tendenz bei der Veränderung von Körperzusammensetzung und kardiometabolischen Risikofaktoren lässt die Kombination aus WB-EMS und höherer Eiweißbilanz als durchaus zeitsparendes und effektives Konzept erscheinen. WB-EMS-Training könnte hier eine gute Alternative für Menschen darstellen, die klassisches Krafttraining zum Erhalt (bzgl. Gewichtsreduktion) oder zur Verbesserung der Muskelmasse (bzgl. Sarkopenie) aus Zeitgründen, orthopädischen Limitationen oder schlichtem Widerwillen nicht realisieren können oder wollen. Zentral erscheint zu dessen sicherer und effektiver Durchführung eine enge Betreuung, eine hohe Motivierung und eine besonders akute und langfristige Trainingsregelung durch den zertifizierten Übungsleiter13.

Literaturverzeichnis

  1. DESTATIS, Körpermaße der Bevölkerung, in Mikrozensus – Fragen zur Gesundheit. 2014, Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Gesundheitszustand/Koerpermasse.html.
  2. DESTATIS, Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat Übergewicht. 2014, Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/11/PD14_386_239.html.
  3. Villareal, D.T., et al., Obesity in older adults: technical review and position statement of the American Society for Nutrition and NAASO, The Obesity Society. Am J Clin Nutr, 2005. 82(5): p. 923–934.
  4. Wilson, P.W., et al., Overweight and obesity as determinants of cardiovascular risk: the Framingham experience. Arch Intern Med, 2002. 162(9): p. 1867–1872.
  5. Renehan, A.G., et al., Body-mass index and incidence of cancer: a systematic review and meta-analysis of prospective observational studies. Lancet, 2008. 371(9612): p. 569–578.
  6. Biesalski, H.K. und P. Grimm, Taschenatlas Ernährung. Vol. 4. Auflage. 2007, Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG.
  7. Pasiakos, S.M., et al., Effects of high-protein diets on fat-free mass and muscle protein synthesis following weight loss: a randomized controlled trial. FASEB J, 2013. 27(9): p. 3837–3847.
  8. Pasiakos, S.M., L.M. Margolis, and J.S. Orr, Optimized dietary strategies to protect skeletal muscle mass during periods of unavoidable energy deficit. FASEB J, 2015. 29(4): p. 1136–1142.
  9. Hunter, G.R., et al., Resistance training conserves fat-free mass and resting energy expenditure following weight loss. Obesity (Silver Spring), 2008. 16(5): p. 1045-51.
  10. Wycherley, T.P., et al., A high-protein diet with resistance exercise training improves weight loss and body composition in overweight and obese patients with type 2 diabetes. Diabetes Care, 2010. 33(5): p. 969–976.
  11. Kemmler, W., et al., Ganzkörper-Elektromyostimulationstraining versus HIT-Krafttraining auf Körperzusammensetzung und Muskelkraft. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2015. 66(12): p. 11–17.
  12. Kemmler, W., et al., Whole-body electromyostimlation and protein supplementation favorably affect sarcopenic obesity in community-dwelling older men at risk: the randomized controlled FranSO study. 2017.
  13. Kemmler, W., et al., Whole-Body Electromyostimu-lation – The Need for Common Sense! Rationale and Guideline for a Safe and Effective Training. Dtsch Z Sportmed, 2016. 67(9): p. 218–221.

Geschrieben von
Sebastian Willert | absolvierte sein Studium zum Diplom-Sportwissenschaftler an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Neben seinen Beschäftigungsfeldern in der Betrieblichen Gesundheitsförderung und der Sporttherapie am Universitätsklinikum Erlangen sowie als Personal Trainer ist er derzeit als Doktorand an der FAU beschäftigt. Mit der Forschergruppe um Prof. Dr. Wolfgang Kemmler forscht er primär im thematischen Schwerpunkt „Alternative Trainingstechnologien“ respektive „Ganzkörper-Elektromyostimulation“.

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