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Die größte Herausforderung der Fitnessstudiobetreiber ist es, sich von der Konkurrenz abzuheben. Dies gelingt am besten durch Mitarbeiter, die neben einer ausgeprägten Dienstleistungsbereitschaft auch mit umfangreichem Fachwissen und hochwertigen Qualifikationen überzeugen. Dass aber gerade Letztere gar nicht so einfach zu erkennen sind, welche Probleme es bei Bildungsabschlüssen gibt und warum deshalb sogar die Gesundheit der Kunden auf dem Spiel steht, verrät Christine Schacht, Leiterin Sales & Marketing im Fachbereich Fitness am IST-Studieninstitut und an der IST-Hochschule für Management sowie Vorstandsmitglied im Deutschen Industrieverband für Fitness und Gesundheit (DIFG) e.V.

body LIFE: Ist die Qualität der Mitarbeiter wirklich so entscheidend für den Erfolg eines Fitnessunternehmens?

Christine Schacht: Ja, definitiv! Man darf als Arbeitgeber das Personal keinesfalls unterschätzen. Es ist das stärkste Bindeglied zum Kunden. Die Trainer sind oft der entscheidende Faktor, ob sich ein Mitglied im Fitnessclub wohlfühlt und dort bleibt oder sich entscheidet, zur Konkurrenz zu wechseln. Fitnessstudios können sich gerade durch die Personalqualität positionieren. Das ist bei dem Wettbewerbsdruck, der auf diesem Markt herrscht, sehr wichtig.

body LIFE: Woran erkennt man denn gut ausgebildetes Personal?

Christine Schacht: Gut ausgebildetes Personal weiß nicht nur viel, es kann auch viel. Es kennt nicht nur die theoretischen Grundlagen, sondern kann diese auch in die Praxis umsetzen. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, dass die Mitarbeiter bereits in der Ausbildung die Umsetzung der theoretischen Inhalte auf der Trainingsfläche üben, um das Erlernte zu verinnerlichen. So lernen sie nicht nur die Geräte und deren Handling kennen, sondern auch die richtige Anleitung des Trainierenden, die Korrektur bei fehlerhaften Anwendungen oder auch einfach, vor einer Gruppe zu stehen. Besonders bei Einsteigerqualifikationen wie etwa Fitnesstrainer-B-Lizenzen sind solche Präsenzphasen in der Ausbildung wichtig. Man muss sich immer vor Augen halten, dass Fehler in dieser Branche gesundheitliche Folgen für die Kunden haben können! Den Mitgliedern ist es deshalb zu Recht sehr wichtig, von wirklich gut ausgebildeten Fachleuten betreut zu werden.

body LIFE: Präsenzphasen sind mittlerweile ja längst nicht mehr die einzige Form der Wissensvermittlung. Was hat sich hier in den letzten Jahren konkret verändert?

Christine Schacht: Die Digitalisierung spielt natürlich auch hier eine große Rolle; Lernen ist viel flexibler geworden. Bei uns wird das Wissen neben Studienheften und Präsenzphasen beispielsweise zum großen Teil auch über Online-Vorlesungen oder Webinare vermittelt. So können die Teilnehmer selbst entscheiden, wann und wo sie lernen möchten.

body LIFE: Es gibt mittlerweile auch Anbieter von Trainerlizenzen, die nahezu komplett auf Seminare verzichten und fast ausschließlich auf digitale Lehr- einheiten setzen ...

Christine Schacht: Ich wäre bei solchen Angeboten vorsichtig. Wie eben schon angesprochen, bin ich der Meinung, dass eine Weiterbildung im Fitness- trainingsbereich aus den genannten Gründen nicht ohne praktisches Lernen durchgeführt werden sollte. Viele Studien zeigen auch, dass eine Kombination aus Präsenz- und Fernlehrangeboten, das sogenannte Blended Learning, eine optimale und sehr effiziente Art zu lernen ist. Man kennt es ja von sich selbst, dass man sich die Theorie viel besser einprägt, wenn man diese kurz darauf auch in der Praxis umsetzt.

body LIFE: Wenn die Bildungsanbieter hier unterschiedliche Wege verfolgen, bedeutet das doch, dass die Inhaber beispielsweise einer klassischen Fitnesstrainer-B-Lizenz nicht zwingend denselben Kenntnisstand haben - oder?

Christine Schacht: Das ist leider so, ja. Die Inhalte der Ausbildungen sind zwar oft sehr ähnlich, aber es gibt hier keine Vorschriften, was gelehrt wird und wie das Wissen vermittelt wird. Es gibt keinerlei Standards, an die sich Bildungsanbieter halten müssen. Nicht einmal für die B-Lizenz. Jeder, der eine Lizenz - auf welche Art und Weise auch immer - erlangt hat, kann sich als "Trainer" bezeichnen. Das erschwert natürlich die Etablierung eines einheitlichen Qualitätsstandards.

body LIFE: Personal Trainer ist demnach auch nicht gleich Personal Trainer ...

Christine Schacht: Nennen kann sich so quasi jeder, der eine Lizenz besitzt - und diese haben, wie gesagt, keine festgelegten Standards, die erfüllt werden mussten. Das ist ein großes Problem, da dies bedeutet, dass sich jemand, der eine zwölfmonatige Weiterbildung oder gar dreijährige Ausbildung hinter sich hat, genauso als "Personal Trainer" bezeichnen kann wie jemand, der ein Tagesseminar besucht hat. Bis heute gibt es leider keine geschützten Lizenzen. Zusammen mit anderen Bildungsanbietern aus der Fitnessbranche haben wir uns aber vor Kurzem zusammengeschlossen und arbeiten daran, Standards für bestimmte Lizenzen festzulegen. Wir hoffen darauf, diese in naher Zukunft auch politisch weiterzubringen.

body LIFE: Warum ist das Ihrer Meinung nach so wichtig?

Christine Schacht: Die Qualität der Qualifikation ist das A und O: für den Teilnehmer und damit in Verlängerung natürlich auch für die Gesundheit und Zufriedenheit der Kunden und somit den Erfolg des jeweiligen Unternehmens. Letztlich sogar für das Image unserer Branche.

body LIFE: Worauf kann man denn achten, um einen guten Bildungsanbieter zu erkennen?

Christine Schacht: Zum einen spielt natürlich die Erfahrung eine Rolle. Wie lange gibt es den Anbieter schon? Ein schlechtes Produkt wird sich eher nicht lange am Markt behaupten. Darüber hinaus sollte man auf Zertifizierungen achten. Hochschulabschlüsse sollten durch eine internationale Agentur zur Qualitätssicherung, wie etwa die FIBAA, akkreditiert sein. Angebote per Fernunterricht müssen durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) geprüft und zugelassen sein. Und man kann sich natürlich auch die Einschätzungen ehemaliger Teilnehmer anschauen. In den sozialen Medien und auf unabhängigen Bewertungsportalen findet man hier viele Erfahrungsberichte.

body LIFE: Sehen Sie auch die Arbeitgeber in der Verantwortung, bei Einstellungen gezielter auf die Qualifikationen der Bewerber zu achten?

Christine Schacht: Ja, definitiv! Teilweise ist den Studiobetreibern aber gar nicht bewusst, dass B-Lizenz nicht gleich B-Lizenz ist. Auch hier würden einheitliche Qualitätsstandards die Thematik für alle deutlich vereinfachen. Letztlich profitieren die Clubs und die ganze Branche doch von einer Verbesserung der Trainingsbetreuung in den Studios! Um diese verbesserte Trainingsqualität etwas zu befeuern, hat das IST in diesem Jahr eine Qualitätsoffensive ins Leben gerufen, bei der die Preise für verschiedene Einstiegsqualifikationen deutlich reduziert wurden. So können zukünftige Trainer eine hochwertige, aber gleichzeitig auch bezahlbare Grundausbildung bekommen.

body LIFE: Welche Entwicklungen sehen Sie für die Zukunft?

Christine Schacht: Ich denke, die Konkurrenz zwischen den Fitnessclubs wird immer größer und dadurch der Bedarf an gut ausgebildetem Personal steigen. Mitarbeiter, die sowohl trainingspraktische Erfahrungen als auch Managementkenntnisse mitbringen, haben sicher einen Vorteil. Ich glaube, dass das Personal in den Fitnessclubs in Zukunft noch professioneller aufgestellt sein wird. Waren die Mitarbeiter früher oft Quereinsteiger, werden sie heute meist bereits gezielt für die Fitnessbranche ausgebildet. Zudem werden akademische Abschlüsse immer beliebter. Auch die Verschmelzung der Fitnessbranche mit der Gesundheitsbranche bringt viele neue Aufgabengebiete und somit Weiterbildungsmöglichkeiten mit sich.

body LIFE: Für die akademischen Abschlüsse gibt es schon Standards. Glauben Sie, dass das angesprochene Ziel einer Standardisierung bei den Trainingslizenzen zukünftig erreicht werden kann?

Christine Schacht: Ja - alles andere wäre fahrlässig. Es geht schließlich um die Gesundheit der Trainierenden!

body LIFE: Vielen Dank für das Interview.

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