Anzeige

Neue Wege für EMS-Studios

Die Zahl der Anbieter im EMS-Markt ist gestiegen. Das erfordert neue Ideen, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Not macht erfinderisch und so entstehen neue Konzepte, die mit dem ursprünglich stationären Training nicht mehr viel zu tun haben.

Das Training unter Strom hat sich weiterentwickelt. Der kürzere Trainingsaufwand und der Reiz, etwas Neues auszuprobieren, bescherten den Anbietern von EMS-Training automatisch Kundschaft. Neu ist das Training jetzt nicht mehr, die Konkurrenz ist am Start und EMS steht zudem in der Kritik. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) hatte Anfang 2018 von EMS-Training im Breitensport abgeraten und warnte vor möglichen Nierenschäden. Ein zu intensives Krafttraining führe zu einer erhöhten Ausschüttung der Creatin-Kinase; das könne die Nieren schädigen. Spätestens seit dieser Nachricht ist die Sicherheit beim EMS-Training ein Thema, das potenzielle Kunden verunsichert. Wichtig ist deshalb, dass die Stromintensität und das Training durch gut ausgebildete Trainer überwacht werden.

EMS-Groupfitness

Man sollte annehmen, dass das Eins-zueins- Training wegen der Risiken jetzt erst recht einen hohen Stellenwert hat. Im „Shock Therapy Fitness“ in New York ist genau das Gegenteil der Fall. Dort wird EMS-Training als Kurs für maximal sechs Teilnehmer angeboten. Das EMS-Studio wurde von der aus Istanbul stammenden Esra Cavusoglu im Februar 2018 gegründet. Sie ist eigentlich Psychologin und Suchtberaterin und baute zusammen mit Professoren der Yale University und John Hopkins ein Drogenund Alkoholbehandlungszentrum für Jugendliche auf. In Europa entdeckte sie das EMS-Training für sich, das in den USA noch nicht so verbreitet ist.

Ihr Konzept ist anders als in Europa üblich. EMS wird im „Shock Therapy Fitness“ in Manhattan nicht nur als Kurs mit sechs Teilnehmern angeboten. Das Training erfolgt zudem in Nachtclubatmosphäre bei Neonlicht und in kabellosen EMS-Anzügen. Auf dem Programm stehen „Strenght“ und „Metabolismus“. In dem Kurs „Strenght“ wird die Muskulatur gekräftigt. Ein Avatar auf einem Bildschirm zeigt an, welche Muskeln bei Kniebeugen, Ausfallschritten oder anderen Übungen trainiert werden. „Metabolismus“ ist ein hochintensives Intervalltraining (HIIT), das mit elektrischen Impulsen kombiniert wird. Während des 30-minütigen Trainings gibt es zwei Pausen, in denen der Trainer individuell die Stromintensität erhöht.

Cardio-EMS und EMS-Boxen

Auch in Deutschland wird das EMSTraining in kleinen Gruppen angeboten, allerdings mit maximal vier Teilnehmern. Im „Fit Room“ in Hamburg- Norderstedt wird im EMS-Anzug in der Kleingruppe mit Hanteln und Tubes traitrainiert. Dort sind die Anzüge noch verkabelt. Im „justfit exclusive club“ in Hamburg wird EMS in der Gruppe mit Crosstraining kombiniert. Das GET IMPULSE in Bad Oeynhausen (s. auch S. 78) bietet das Training in der Gruppe in vier weiteren Lizenzclubs in Bad Salzuflen, Detmold, Ludwigsburg und Berlin an. EMS-Training wird dort nicht nur in der Gruppe, sondern auch als Einzeltraining mit einem Personal Trainer durchgeführt. Dabei können die Kunden frei, an geführten Geräten, mit Functional- Training-Equipment oder an Cardiogeräten trainieren. Neben dem Krafttraining bieten immer mehr Studios EMSCardiotraining an. Der „justfit exclusive club“ ermöglicht Cardio-EMS auf Rudergeräten. Der „Trainingsraum Hamburg“ hat EMS-Boxen im Programm. Dabei wird hochintensives EMS-Training mit klassischen Boxelementen kombiniert.

Auch das „formwerk“ in Berlin setzt auf Cardio-EMS. In dem Studio können Kunden im mobilen EMS-Anzug auf einem Crosstrainer oder Indoor-Cycling- Bike trainieren. In England wird neben Cardio-EMS auf das Training für Profis oder auf die Einbindung von Yoga und TRX gesetzt. Um der Konkurrenz etwas entgegenzusetzen, übernehmen auch in Deutschland einige EMS-Studios Konzepte aus dem Bereich Boutique Fitness. Besonders Functional Training, Suspension Training, Crosstraining, HIIT und Boxing wie im „HIT BLN“ sind beliebte Zusatzangebote. Die Inhaber des „HIT BLN“, José Yilmaz und Sascha Syed, haben sich das Ziel gesetzt, das Personal Training neu zu definieren. Neben Boxen und Kickboxen hat sich das Microstudio auf HIIT, Functional Training, Krafttraining mit Gewichtheben, Mobilitätstraining und EMS spezialisiert.

Functional Training kombiniert mit Stromimpulsen

Die Ablösung des starren, stationären EMS-Trainings durch die gewonnene Mobilität und Bewegungsfreiheit mit kabellosem Equipment ermöglicht die Umsetzung neuer Ideen. Im „HIT BLN“ beispielsweise wird neben dem Boxen auch das Functional Training mit EMS kombiniert. „Kombinationen aus EMS und funktionellem Training oder Boxen finden ausschließlich nur eins zu eins statt“, erklärt José Yilmaz. „,HIT BLN‘ steht ausschließlich für Personal Traigerinning. Um die Qualität eines solchen auch gewährleisten zu können, trainieren nur ein bis zwei Personen beim EMS-Krafttraining unter Betreuung eines Personal Trainers. Ausnahmen kommen in seltenen Fällen nur dann vor, wenn eine kleine Gruppe, bestehend aus maximal drei Personen, zusammen trainieren möchte.“

Neue Maßstäbe setzt das „GYME“ in Hamburg. Das Fitnessstudio hat nichts mehr mit den herkömmlichen EMSStudios zu tun. Dort wird mit kabellosen EMS-Westen auf Crosstrainern oder auf Rudergeräten trainiert. Aber das ist nicht alles. Auch hier wird Functional Training mit EMS-Training kombiniert. Mitsamt mobiler Stromweste geht es an die Sprossenwand, an die TRX-Seile oder auf die Hantelbank – das Ganze gepaart mit Wohnzimmeratmosphäre in modernem Design.

Mobiles Equipment sorgt für Innovationen

„,GYME‘ ist kein herkömmliches EMSStudio, wie es schon viele gibt“, sagt Christina Stark, Managerin des neuen Hamburger Studios. „Die von uns eingesetzten Westen ermöglichen maximale Effizienz – sportliche Effektivität im Verhältnis zu Zeit.“ Die kabellosen Westen seien nur Mittel zum Zweck, um ein umfassendes, individuelles und uneingeschränktes Personal Training absolvieren zu können. „Wir wollten kein ungemütliches EMS-Studio“, sagt Camillo Stark, der seine Frau im Management und Marketing unterstützt. „Wir waren teilweise in vier Clubs gleichzeitig angemeldet, um Schwachstellen auszumachen. Vor allem der hohe Preis bei geringer Leistung war eine Schwachstelle, auf die unser Angebot abzielte.“ Der geringe Service, wie Gruppenumkleiden, kein weiteres Equipment oder das Training in einem Schaufenster, haben das Ehepaar gemeinsam mit einem befreundeten Personal Trainer dazu bewegt, einen anderen Weg zu gehen.

„Das Training selbst findet also nicht im ‚leeren Raum‘ statt, wie es oftmals in EMS-Studios der Fall ist. Wir nutzen die volle Bandbreite des Sportequipments, wie Sprossenwände, TRX-Slings, Tubes, Hanteln, Beso- und Medizinbälle, um das individuell beste und produktivste Training zu leisten“, erklärt Christina Stark. „Der ‚Flagship-Store‘ in Hamburg- Othmarschen feiert im Februar sein einjähriges Bestehen. Auf Basis des ‚Proof of Concepts‘ wird dann die Expansion geplant. Konzeptionell wird ‚GYME‘ sich immer darauf konzentrieren, das effiziente und exklusivste Personal Training anzubieten.“ Ob EMS dabei langfristig eine Rolle spiele, sei nicht sicher, aber sehr wahrscheinlich.

Outdoor im EMS-Outfit

Im „EMSRaum“ in Hamburg wird in Kleingruppen mit dem Sling Trainer und Kettlebells unter Strom trainiert. Die Geschäftsführerin Melanie Weisbrod setzt auf Gruppen mit maximal vier Teilnehmern. Allerdings ist bei vier Trainierenden aus Sicherheitsgründen immer ein zweiter Trainer mit an Bord. Bei schönem Wetter wird das Training dank kabelloser Westen auch mal nach draußen verlegt. „Ab März ist eine Trainingsgruppe geplant, die für den ‚HSH Nordbank Run‘ in der HafenCity trainiert“, sagt Geschäftsführerin Melanie Weisbrod. Das sei Norddeutschlands größter Charity- Lauf, bei dem für Kinder gespendet wird. „Für dieses Event wollen Kunden in kurzer Zeit fit werden. Dafür wird dann im EMS-Anzug an der 500 Meter entfernten Außenalster trainiert.“ Die Inhaberin setzt auf Qualitätsstandards. Sicherheit, Hygiene und Service sind ihr wichtig. Kein Kunde stellt bei ihr die Stromintensität ein. Sie achtet darauf, dass Regenerationszeiten von mindestens drei Tagen eingehalten werden. Einsteiger werden zuerst in Einzelterminen trainiert. „Sicherheit bietet auch das über Industriefunk gesteuerte System. Es ist stabiler als W-LAN oder Bluetooth.“

Auch im „Reset personal ems“ in Berlin-Mitte wird im EMS-Anzug draußen gejoggt. „Neben dem Ausdauertraining an der frischen Luft nutzen wir die vielen Berliner Parks für verschiedene Workouts und unsere kleine Terrasse zum Fitness- und Kickboxen“, berichtet Inhaberin Lara Stephan. Geboxt wird auch hier mit der zusätzlichen Belastung durch Stromimpulse. „Die Schwerpunkte des Trainings im ‚Reset‘ liegen im Functional Training. Durch die Nutzung des eigenen Körpergewichts sind wir völlig frei in der Auswahl der Übungen und somit der Gestaltung unserer Trainingssessions.“ In dem inhabergeführten Club wird hauptsächlich eins zu eins trainiert. „Pro Trainer würden wir definitiv nicht mehr als zwei Personen trainieren“, versichert Lara Stephan.

EMS to go

Eine App macht das EMS-Training noch mobiler. Das Start-up „Antilope“ krempelt den EMS-Markt um. Philipp Schwarz gründete das Label 2014 zusammen mit Mynia Deeg. 2015 stieg der Textilunternehmer Antonio Gatti Balsarri als Investor ein. Seit Mai 2018 ist er einer von zwei Geschäftsführern bei Wearable Life Science, die die mobilen EMS-Anzüge mit Akkubetrieb in ihrem Online-Shop verkauft. Neben einem mobilen EMSAnzug mit integrierten Elektroden entwickelten die Gründer eine App, mit der die Stromintensität über Smartphone gesteuert werden kann.

Die Stromquelle war bisher das größte Problem in Bezug auf die Mobilität. Dieses Hindernis hat das Start-up mit einem Akkubetrieb überwunden. Der Akku sorgt als Stromquelle dafür, dass eine Muskelkontraktion ausgelöst wird. Er hält über acht Stunden, ist über Bluetooth mit der App und über ein Kabel mit den Elektroden in dem Stoff verbunden. Mit dem Ganzkörperanzug können Läufer einfach draußen laufen. Es kann draußen, zu Hause oder im Studio damit trainiert werden. Das EMS-Studio „AREA3SIXTY“ in Hamburg-Winterhude hat den Anzug im Einsatz und damit das Konzept „electric crosstraining“ begründet. Hier wird Crosstraining im EMSAnzug angeboten.

Neue Risiken

Die zunehmende Digitalisierung und Mobilität verändert nicht nur den Markt und die Konzepte, sondern sorgt auch für neue Trainingsrisiken. Punkten können deshalb in Zukunft Konzepte, die neben neuen Angeboten und modernem Design auf Betreuungsqualität und gut ausgebildetes Personal setzen.

- Rita Hoogestraat -


Foto: Antelope.club / Wearable Life Science GmbH

Aus-, Fort und Weiterbildung
Beratung
Cardio
EMS
Ernährung
Functional
IT / Software
Kraft
Reha und Prävention
Testing und Diagnose
Wellness
Anzeige

News Ticker