Anzeige
Fotos: Precor, Martin Timmermann
Fotos: Precor, Martin Timmermann

Volle Cyclingkurse

In manchen Studios sind die Indoor-Cycling-Kurse bestens besucht und haben selbst bei 14 Trainingseinheiten im Stundenplan Auslastungsquoten von über 80 Prozent der 40 Bikes im Monatsdurchschnitt. In anderen Clubs werden dagegen drei bis vier Einheiten im Kursplan angeboten und es stehen vielleicht 10 Bikes zur Verfügung – doch sie finden kaum Beachtung. Liegt das an einer genetisch bedingten höheren Radsportbegeisterung der Mitglieder in manchen Clubs oder wird die ­Begeisterung doch durch ein geschicktes Mitglieder- und Kurskonzept gefördert?

Die Gesamtmitgliederzahl liefert das Potenzial. Wie stark dieses Potenzial ausgeschöpft wird, zeigen einfache Kennzahlen. Kursstatistiken legen rasch offen, wie viele Mitglieder das Angebot nutzen, und ein simples Ranking verschafft den Überblick bzw. die Bewertung. Nehmen 2 Prozent der Mitglieder das Angebot in Anspruch, so ist das eine schwache Auslastung. Bei 5 Prozent kann dagegen von einer „angemessenen Nachfrage“ gesprochen werden – bei 10, 15 bzw. 20 Prozent ist eine gute, sehr gute bzw. außerordentliche Auslastung gegeben. 

Unter der Annahme, dass jeder der 1.000 Mitglieder durchschnittlich 2,5-mal pro Woche an einem Kurs teilnimmt, ergibt sich die Anzahl der Teilnehmerstunden. Wie viele Einheiten notwendig sind und optimal gefüllt sein sollten, hängt weiterhin von der Anzahl der vorhandenen Bikes ab. Die Abbildung zeigt auf, wie hoch das Indoor-Cycling-Angebot pro Woche mindestens sein sollte, um den Bedarf von 2,5 Trainings pro Teilnehmer pro Woche zu befriedigen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Die Schlussfolgerungen hängen von weiteren Variablen bzw. unternehmerischen Zielen ab:

  • optimale Auslastung des bestehenden Angebots,
  • Kostenoptimierung,
  • Steigerung der Kursteilnehmer.

Mitglieder Gesamt 1000 – Teilnahme p. Woche 2,5.  Fotos: Precor, Martin Timmermann
Mitglieder Gesamt 1000 – Teilnahme p. Woche 2,5. Fotos: Precor, Martin Timmermann

Optimale Auslastung des Angebots

Steht beispielsweise nur ein Kursraum zur Verfügung, dann finden dort verschiedene Kurskategorien statt. Das Indoor-Cycling-Programm muss sich den Raum teilen und die Bikes werden bei Bedarf positioniert. Das sind meistens Studios mit 10–20 Bikes und einem Angebot von 3–7 Stunden pro Woche. Der Kursraum lässt es nicht zu, dass mehrere Räder platziert werden, und der allgemeine Stundenplan kann nicht erweitert werden. Demnach bleibt nichts anderes übrig, als dafür zu sorgen, dass die Stunden voll sind und jeder Spinning-Fan doch im Durchschnitt 2,5 Teilnahmen erreichen kann. 

An dieser Stelle spielt das Reservierungskonzept eine wichtige Rolle, das für Transparenz und Fairness sorgen muss. Es darf immer nur eine Stunde im Voraus reserviert werden. Erst nachdem diese Trainingseinheit absolviert wurde, kann erneut gebucht werden. Checkt ein Teilnehmer 15 Minuten vor Kursbeginn nicht ein, wird ein Warteplatz nach dem Stand-by-Prinzip frei. Die Teilnehmer haben Planungssicherheit und einige „Spezialisten“ werden daran gehindert, Bikes auf Dauer zu reservieren. Eine moderne Online-Buchungs-Software oder -Apps erleichtern heute dieses Verfahren enorm und entlasten die Rezeption. Liegt ein Überangebot vor, dann müssen Maßnahmen ergriffen werden, um mehr Teilnehmer für Cycling zu begeistern.

Kostenoptimierung

In der Abbildung auf Seite 72 sind Situationen sichtbar, die ein Missverhältnis aus Bike-Anzahl und Kursstunden aufzeigen, wenn man eine Mischkalkulation der Cyclingerlöse durch Studiomitgliedschaften, also durch pauschale Abos, zugrunde legt. Das Trainer-Teilnehmer-Verhältnis und die Raumgröße spielen eine Rolle, und zwar insbesondere dann, wenn ein eigener Cyclingraum im Fitnessstudio vorhanden ist. Die Formel ist einfach: Bevor die Kursanzahl erhöht wird, darf man darüber nachdenken, die Bike-Anzahl nach oben zu verändern. Bei einer Lebensdauer von sechs bis zehn Jahren pro Trainingsgerät hat sich der Anschaffungspreis bald amortisiert, rechnet man Raum- und Trainerkosten pro Stunde ein – vorausgesetzt, dass es bei einer durchschnittlichen Teilnahme von 2,5-mal pro Woche bleibt. Bevor die Stundenzahl erweitert wird, muss also ein Unterangebot vorliegen oder der Bedarf wird – es kommen dadurch mehr Teilnehmer – durch gezielte Marketingaktionen und studiointerne Maßnahmen erhöht. 

Kursteilnehmer steigern 

Mehr Mitglieder bedeuten potenziell mehr verschiedene Teilnehmer. Oder bei einer Quote von schwachen 2 Prozent bis angemessenen 5 Prozent darf der Bedarf natürlich, falls gewünscht und möglich, erhöht werden. An dieser Stelle ist die Studioorganisation bzw. sind die Aufgaben eines Cyclingbereichsleiters zu betrachten. Wie werden mehr Teilnehmer für Cycling-Kurse gewonnen? Es müssen Bedürfnisse geweckt werden. Möglichkeiten hierzu sind:

  • Rezeptionisten als Multiplikatoren,
  • das Rezeptionsteam kennt alle Vorzüge und kann das Wichtigste erklären,
  • Bilder von erfolgreichen Spinning-Teilnehmern im Eingangsbereich,
  • Bikes auf der Cardio-Fläche,
  • Trainer auf der Fläche empfehlen Spinning als zusätzliches Cardio- oder HIT-Training.

Verstärkung der Erwartungshaltung 

An dieser Stelle kommt nun der Spezialist ins Spiel und bietet einen ausgeschriebenen Intro-Kurs oder eine individuelle Beratung an. Diese Rolle kann ein ausgebildeter Cyclinginstruktor oder ein speziell geschulter Flächentrainer einnehmen. Idealerweise steht auf der ­Cardiofläche ein Indoor Bike wie im Kursraum. Das macht neugierig und alle Erklärungen zu Sicherheit und Einstellungen können direkt und schnell durchgeführt werden. 

Organisation von Intro-Kursen

Eine bedarfsgerechte Ausschreibung und die Organisation von Einführungskursen ist eine erfolgversprechende Lösung und kann variabel angeboten werden. Bedarf, Angebot und erfüllte Erwartungshaltung decken sich und Gleichgesinnte treffen sich. Und das geht aus Erfahrung immer sehr gut aus. 

Die Ausschreibung könnte folgendermaßen lauten: „90 Minuten Cyclingeinführung. Das Kurzseminar für alle, die erfolgreich trainieren wollen! Unser Team informiert Sie gerne über weitere Details und reserviert Ihnen eine Teilnahme am …“

Ein Hinweisposter am Schwarzen Brett im Club ist das eine. Eine aktive Bewerbung als Bestandteil der kompetenten Trainingsberatung wird in den Zeiten der höchsten Mitgliederzuwächse im Jahr diese Einführungskurse mit Leichtigkeit füllen.  

Der Cyclingeinführungskurs besteht aus einem Präsentationsteil mit Trainingsinhalten, Fakten, Versprechen, Lösungen, Beschreibungen und Begeisterung. Die Punkte zur Intensitätsbestimmung können mit praktischen Beispielen „gefühlsecht“ und mit Leihpulsmessgeräten und intensiven (kreativen) Bewegungsbeispielen nahegebracht werden. Der Praxisteil beginnt mit dem Bike-

Set-up. Die Demonstration der einzelnen Einstellschritte geht voraus und dann können die Mitglieder gleich partnerweise die gelernten Regeln umsetzen und sich auch gegenseitig kontrollieren und bestätigen. 

Ziel erreicht

Die Teilnehmer bringen für die erste Stunde schon alles an Grundwissen und Basiserfahrung mit, der leitende Instruktor kann sich darauf verlassen und wird mit seinem Coaching und Feedback die „Anfänger“ bestens auch in bestehende Gruppen integrieren können. Die Teilnehmer haben im Intro-Kurs auch erfahren, dass Widerstand und Trittfrequenz die Kernelemente zur individuellen Intensitätssteuerung sind. Sie haben Cycling in diesem Zusammenhang als eigenverantwortungsvolles Training erfahren. Seit dem Intro-Kurs haben sich Mitglieder mit gleichen Interessen kennengelernt und bringen für die erste Stunde viel Vertrauen mit. Sie kennen sich und kennen sich aus.

Die Trainer folgen dem Prinzip „Talk the walk“ und „Walk the talk“. Das kreiert Verbindlichkeit und macht es einem Team leicht, an einem Strang zu ziehen. Konzepte werden dadurch konsequent angewendet und führen allein dadurch schon zum Erfolg.

Es entstehen Synergien zwischen dem Rezeptionsteam, den Trainern auf der Fläche und den Groupfitnesstrainern. Alle haben verstanden, dass nur das funktionierende Gesamtangebot den größten Nutzen für alle bringt – für den Betreiber, für die Trainer, für die Mitglieder. Denn alle wollen immer nur das eine: passende Performance-Indikatoren, Freude und Freude am Erfolg! 

Geschrieben von
Martin Timmermann - Dipl.- Sportwissenschaftler (Technische Universität München), Spinning® und SPINPower® Master Instruktor. Category Manager für Spinning® und Queenax und Strategic Account Manager bei Amer Sports, PRECOR.

Aus-, Fort und Weiterbildung
Beratung
Cardio
EMS
Ernährung
Functional
IT / Software
Kraft
Reha und Prävention
Testing und Diagnose
Wellness

News Ticker