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Foto: Elnur/shutterstock.com
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Kooperationen mit Firmen zwecks ­Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz 

Der demografische Wandel vollzieht sich scheinbar unaufhaltsam. Die Auswirkungen spüren wir heute schon an vielen Stellen. Fragen Sie einmal einen Schreinermeister, wie schwierig sich die Suche nach Auszubildenden gestaltet, oder den Inhaber eines Elektrobetriebes, der gerne einen Elektro-Meister einstellen würde. Im Handwerk ist der demografische Wandel schon angekommen. Junge Leute kommen keine nach und ausgebildete Fachkräfte sind faktisch nicht auf dem Markt vorhanden. Eine Besserung dieser Situation lässt sich nicht erkennen. Auch große Unternehmen werden es zukünftig immer schwerer haben, geeignete Fachkräfte zu finden. Der bereits vor Jahren angekündigte „War of Talents“ ist heute bereits Realität.  

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) müssen sich etwas einfallen lassen, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen und vor allem auch die bestehenden Mitarbeiter zu halten. Gute Bezahlung spielt dabei bei den jüngeren Generationen nicht mehr die Rolle wie vielleicht noch bei denjenigen, die vor 1980 geboren sind. Heute geht es vielen Arbeitnehmern um „weiche“ Faktoren wie beispielsweise Betriebsklima, Führungsstil, flexible Arbeitszeiten etc.  

Auch das Bewusstsein für den Körper und die eigene Gesundheit ist stärker ausgeprägt als noch vor wenigen Jahren. Darauf müssen die Arbeitgeber reagieren. Tun sie es nicht, werden sie die guten Köpfe nicht halten können und keine neuen Mitarbeiter gewinnen. 

BGM spielt in den meisten Unternehmen keine Rolle 

Die Firmen müssen an vielen Stellschrauben drehen. Eine davon ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Die Zeit des BGM wird kommen. Momentan ist die BGM-Schraube in den meisten Unternehmen aber diejenige, die noch nicht gedreht wird. Betriebliches Gesundheitsmanagement bedeutet für ein Unternehmen zuerst einmal Aufwand: Man muss Geld investieren und das Personal wird zeitlich eingeschränkt. Das schreckt ab. Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, dass Unternehmen ein Betriebliches Gesundheitsmanagement einführen müssen, anders wie beispielsweise beim Qualitäts- oder Umweltmanagementsystem, fordert dies im Regelfall auch kein Kunde und kein Lieferant. 

Anders sieht es mit einem Arbeitsschutzmanagementsystem aus. Es kommt nicht selten vor, dass eine Firma nur dann als Lieferant gelistet wird, wenn ein Arbeitsschutzmanagement, zum Beispiel OHSAS 18001, nachgewiesen werden kann. Mit der neuen ISO 45001, welche die OHSAS ablöst, wird sich Arbeitsschutzmanagement in Deutschland noch weiter verbreiten. 

Foto: Achim Barth
Foto: Achim Barth

Das BGM-Haus 

Davon profitiert auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Das BGM kann man als Haus mit drei Säulen, einem Fundament und einem Dach skizzieren (siehe Abbildung). Das Fundament bildet die gesunde Führung. Wenn das Thema „gesundes Führen“ nicht von allen Führungskräften „gelebt“ wird, kann Gesundheitsmanagement im Betrieb nicht erfolgreich sein. Auf dem Fundament stehen drei Säulen: 

  1. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: Diesbezüglich gibt es gesetzliche Anforderungen. Arbeitsschutz ist Pflicht für den Arbeitgeber sowie den Arbeitnehmer. 
  2. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF): Darunter fallen Präventionsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Rückenschule, Firmenfitness oder Massagen am Arbeitsplatz. Alle §20-Maßnahmen fallen in diesen Bereich. BGF ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer freiwillig.  
  3. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM): Langzeiterkrankte haben ein Anrecht auf Eingliederung, eine sogenannte BEM-Maßnahme. Diese muss durch den Arbeitgeber angeboten werden. Für die Arbeitnehmer ist es freiwillig. 

Das Dach des BGM-Hauses bildet das Managementsystem. Im Betrieb müssen also die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, um Gesundheitsmanagement dauerhaft und nachhaltig nach einem definierten System umzusetzen, zum Beispiel das Anpassen der Betriebsprozesse, die Einrichtung eines Steuerungskreises, der Aufbau von Controlling-Instrumenten zur Wirksamkeitskontrolle etc. 

Im BGM-Haus gibt es also Themen, die der Unternehmer verpflichtend angehen muss, und Themen, die freiwillig sind. Aus Sicht eines Fitnessunternehmers ist es leider so, dass genau die Dienstleistung, mit der er ein Unternehmen unterstützen könnte, nämlich die Gesundheitsförderung, freiwillig ist. Entsprechend schwer tun sich Fitnessstudios bei der Akquise von Firmenkunden. Die meisten Clubbetreiber wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, mit dem Thema „BGF“ in Firmen Aufträge zu bekommen. Was funktioniert, das zeigt die Praxis, sind Rabattverträge mit Firmen, sodass Mitarbeiter der kooperierenden Unternehmen günstiger trainieren dürfen. Solch ein Angebot ist aber keine Betriebliche Gesundheitsförderung im engeren Sinne. 

Alternative Möglichkeit zur Akquise von Firmen  

Ich stelle Ihnen heute für die Akquise im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung einen neuen Ansatz vor: das „Andocken“ der Betrieblichen Gesundheitsförderung an den Arbeitsschutz. 

Der Arbeitsschutz wird gesetzlich geregelt und ist, wie oben beschrieben, für Arbeitgeber und für Arbeitnehmer verpflichtend. Ein klassisches Beispiel: Der Arbeitgeber muss auf der Baustelle dafür sorgen, dass die Arbeiter einen Helm tragen, und er muss einen geeigneten Helm zur Verfügung stellen. Der Arbeiter selbst muss den Helm aufsetzen. Geregelt ist der Arbeitsschutz, der korrekterweise Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz heißt, in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen; insbesondere im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG). Darüber hinaus haben die Berufsgenossenschaften als behördliche Stellen Verordnungen erlassen, die für alle Unternehmer verbindlich sind. Ein Beispiel ist die DGUV(Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)-Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention. Aber auch die Arbeitsstättenverordnung, die Betriebsstättenverordnung und zahlreiche weitere Verordnungen enthalten verbindliche Vorgaben zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten. 

So regelt die DGUV-Vorschrift 2 die Bestellung von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit (FASI). In dieser Vorschrift sind neben dem Umfang der fachkundigen Beratung auch die Aufgaben der FASI beschrieben. In weiterführenden DGUV-Richtlinien und DGUV-Regeln werden die Aufgaben weiter konkretisiert (siehe Kasten Seite 54).  

Die FASI unterstützt den ­Unternehmer 

Die Hauptaufgabe der FASI besteht in der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung (GB). Basierend auf den Ergebnissen der GB, werden Schutzziele und Präventionsziele definiert und passende Maßnahmen abgeleitet. Eine FASI, die es theoretisch in jedem Betrieb geben sollte (Kleinbetriebe können auch das Unternehmermodell wählen, dann übernimmt der Geschäftsführer bzw. Inhaber selbst einen Teil der FASI-Aufgaben), muss demnach Gefahren für die Beschäftigten erkennen und neben Schutzmaßnahmen auch Präventionsmaßnahmen ableiten, damit die Gefahr einer berufsbedingten Erkrankung oder eines Unfalls reduziert wird.  

In der Praxis kann die FASI also bei einem Büroarbeitsplatz feststellen, dass durch den Bewegungsmangel und die dauerhafte Belastung der Nackenmuskulatur Maßnahmen abgeleitet werden müssen. Er wird zunächst die Ergonomie am Arbeitsplatz betrachten und verbessern und im nächsten Schritt werden organisatorische Maßnahmen empfohlen, Pausenregelungen, Gehstrecken zum Drucker, Steh-/Sitz-Arbeitsplätze usw. Diese Maßnahmen sind quasi das Handwerkszeug einer FASI.  

Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung 

Ein Prinzip im systematischen Vorgehen der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP). Das heißt, die Maßnahmen, die umgesetzt werden, müssen grundsätzlich nach ihrer Wirkung überprüft werden und das Gesamtsystem muss weiter verbessert werden. Daher kommt eine FASI nicht darum herum, sich auch mit den aus Sicht der Fitnessunternehmer klassischen Themen der Gesundheitsförderung zu beschäftigen: Rückenschulen, Bewegungskurse, Ausgleichsübungen, Massagen, Ernährung usw.

Gesundheitsförderung ­benötigt externe Experten 

Um hier wirkungsvolle Maßnahmen zu entwickeln, benötigt die Fachkraft externes Expertenwissen. Die Expertise eines gut ausgebildeten Trainers wird der Fachkraft notwendige Impulse geben, um geeignete Maßnahmen abzuleiten. Für die Durchführung solcher Maßnahmen wird sich das Unternehmen dann im Regelfall das Expertenwissen „einkaufen“ – sprich Sie als Fitnessdienstleister damit beauftragen, zum Beispiel einen Rückenkurs oder betriebliches Gesundheitstraining durchzu­führen.  

Ein anderes Beispiel: Die Fachkraft untersucht in einer Gefährdungsanalyse die Bewegungsabläufe der Beschäftigten an einem Industriearbeitsplatz. Sie erkennt einseitige, körperlich fordernde Belastungen und das Heben und Tragen schwerer Lasten. Technisch-organisatorisch wird sich die FASI mithilfe der Lastenhandhabungs-Verordnung dem Thema annehmen. Die einseitigen körperlichen Belastungen, die über eine ganze Lebensarbeitszeit immens sind, müssen aber ebenso betrachtet werden. Gleichermaßen kann für eine FASI der Expertenrat eines Trainers auch hier weiterhelfen. Der Trainer kann genau sagen, welche Ausgleichsübungen durch die Beschäftigten ausgeübt werden müssen, um die Gefahr von muskulären Dysbalancen zu minimieren.  

Darüber hinaus ist es auch hier wahrscheinlich, dass eine geeignete Maßnahme folglich darin besteht, ein gezieltes Bewegungsprogramm durch externe Fitnessexperten (inhouse oder im Studio) durchführen zu lassen.  

Wie kommt die Zusammen­arbeit zustande?

Wie kommen eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und ein Fitnessexperte zusammen? Im Arbeitsschutz sagt man, eine Gefährdung wird dann zur Gefahr für den Menschen, wenn die Gefahrenquelle und der Mensch räumlich und zeitlich aufeinandertreffen können. In unserem Fall kann man sagen: Wenn der Fitnessunternehmer und die Fachkraft für Arbeitssicherheit nicht zusammenfinden, wird es zu keiner Kooperation kommen. 

Sie als Fitnessexperte müssen Ihre Akquise-Maßnahmen im Bereich der Firmenkooperationen also dahingehend anpassen, dass Sie in den Unternehmen mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit in Kontakt kommen und ihr Ihre Unterstützung für den Bereich der Gesundheitsförderung anbieten. Da die FASI in diesem Fall handeln muss, wird sie zumindest für ein Gespräch bereit sein. Die FASI im Gespräch davon zu überzeugen, dass Sie das Expertenwissen haben und ihr bei ihren Herausforderungen helfen können, ist dann Ihre Aufgabe.

Fazit

Kooperationspartner im BGM-/BGF-Bereich zu finden, ist für Fitnessunternehmen kein Selbstläufer. Oft sind die Betriebe selbst organisatorisch noch nicht sonderlich gut aufgestellt und blocken die Anfragen daher ab. Oder es werden unsystematisch Maßnahmen durchgeführt, die wenig nachhaltig sind und weder das Fitnessstudio noch das Unternehmen zufriedenstellen. 

Über den gesetzlich verpflichtenden Arbeitsschutz besteht aber für Fitnessunternehmen eine gute Möglichkeit, Expertenwissen und Dienstleistungen in Firmen einzubringen. Hier müssen die richtigen Ansprechpartner, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit, gefunden und überzeugt werden. Gelingt einem Fitnessstudio die Kooperation mit einer Firma über den Zugang „Arbeitsschutz“, ist auch automatisch das Thema „Nachhaltigkeit“ gelöst. Denn diese ist im Interesse des Arbeitsschutzes und durch das systematische Vorgehen der Fachkraft für Arbeitssicherheit gewährleistet.  

Sie müssen sich aber bewusst sein, auch Qualität abzuliefern. Denn die Maßnahmen werden nach Wirkung kontrolliert und sollte Ihr Training nichts bringen, wird die Maßnahme durch eine andere ersetzt.  

Geschrieben von
Achim Barth | Dipl.-Betriebswirt (FH), Fachwirt für Prävention und Gesundheitsförderung. Gründer und Inhaber von BARTH Sportmanagement (www.barth-sport.de). Als externe Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betrieblicher Gesundheitsmanager berät er Unternehmen in den Themenfeldern Arbeitsschutz und BGM. Für Fitnessstudioinhaber bietet er spezielle BGM/BGF-Seminare an, um die Studios fit für Firmenkooperationen zu machen.

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