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Fotos: Foxy burrow/shutterstock.com, IST, Sascha Schrey
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Blended Learning: Was Whiskey und Lernen gemeinsam haben

Wer sich ab und zu ein Glas Whiskey gönnt, kennt den Unterschied zwischen einem „Single Malt“ und einem „Blended Whiskey“. Während der „Single Malt“ in einer einzigen Destillerie hergestellt wird, besteht ein „Blended Whiskey“ aus einer Komposition verschiedener Sorten. Auf den Begriff „Blended Learning“ stößt man immer häufiger, doch so richtig greifbar ist er nicht. Dabei handelt es sich im Grunde um die gleiche Wortkombination wie beim Whiskey. Blended Learning ist ein Mix aus verschiedenen Lernmethoden. Der entscheidende Unterschied ist aber: Während unter Whiskey-Kennern der „Single Malt“ höher im Kurs steht, gibt „Blended“ dem Lernen erst die richtige Würze.

Von der Grundidee her handelt es sich beim „Blended Learning“ um Lehrsituationen, die nicht ausschließlich im Präsenzunterricht zu finden sind. Vielmehr werden hybride Lerntechniken verwendet, in denen virtuelle (z.B. Bilder oder Videos) und nicht virtuelle Lerninhalte (z.B. Texte oder textbasierte Aufgaben) miteinander kombiniert werden. Sauter und Bender (2004) stellen in ihrer Definition heraus, dass es sich bei „Blended Learning“ um ein „integriertes Lernkonzept [handelt], das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet in Verbindung mit klassischen Lernmethoden und -medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzt“. Alonso, Lopez, Manrique & Vines (2007) unterscheiden zwei weitere Hauptverwendungsweisen, die neben der klassischen Präsenzphase genutzt werden können: selbstgesteuertes und selbstbestimmtes E-Learning sowie Online-Live-Veranstaltungen.

Die Vorteile des E-Learning

Jeder Mensch hat unterschiedliche Lernpräferenzen, was Darbietungsform, Zeit, Ort und Tempo betrifft. Gerade digitale Vermittlungsformen wie das E-Learning sind hervorragend geeignet, da sie unterschiedliche Lerntypen bedienen können. Zudem lassen sich Lerninhalte entweder von zu Hause aus oder z.B. in Bus oder Bahn oder am Urlaubsort über mobile Endgeräte aufrufen und bearbeiten.

 Klassische Inhalte eines solchen E-Learnings sind neben Online-Vorlesungen auch Tutorials und interaktive Inhalte, bei denen Reproduktions- und Transferausgaben gelöst werden müssen. Treu dem Einstein-Zitat „Das Spiel ist die höchste Form der Forschung“ steht das eigene „Machen“ bzw. „Spielen“ im Mittelpunkt. 

Doch bei all dem „Spielen“ dürfen jedoch der rote Faden und die Lernintention nicht verloren gehen. Wer also mit dem Gedanken spielt, E-Learning-Methoden zu verwenden, sollte darauf achten, dass regelmäßig ein Methodenwechsel zwischen Wissensaufnahme und -wiedergabe erfolgt und mit vielseitigen und abwechslungsreichen Inhalten gearbeitet wird. Viele Softwareprogramme bieten hierzu unterschiedliche interaktive Elemente, wie z.B. Multiple-Choice-Fragen, Bild- und Videoeinbettung, Lückentexte, Zuordnungs- oder Sortieraufgaben und viele mehr. 

Meist wird in einem E-Learning auch nicht die komplette Wissensbandbreite einer Thematik erarbeitet, sondern Wert auf die „Big Points“ der Thematik gelegt. Ein E-Learning ersetzt somit meines Erachtens auch nicht klassisches Lernmaterial, sondern ergänzt dies sinnvoll. Ein weiterer Vorteil des E-Learning ist, dass durch Zusatzinformationen in den Trainings unterschiedliche Lerntiefen erreicht werden können. Der Teilnehmer entscheidet also immer selbst, wie viel Tiefgang er in der vermittelten Thematik erzielen möchte. Durch die Verwendung von Blended Learning lassen sich also mehr Kompetenzebenen der beruflichen Handlungsfähigkeit bespielen, als das nur über Lernhefte der Fall wäre.

Fotos: Foxy burrow/shutterstock.com, IST, Sascha Schrey
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E-Learning: das Allheilmittel?

Wer jetzt jedoch der Meinung ist, dass E-Learning traditionelles Lernen ersetzen wird, liegt sicherlich falsch. Die Erfahrung zeigt, dass man mithilfe von Tutorials und Online-Inhalten vorhandenes Grundwissen gut ergänzen kann. Eine Festigung und Vertiefung von Wissen erreicht man jedoch nur, wenn im anschließenden Präsenzunterricht hierauf aufgebaut wird und Unklarheiten individuell beseitigt werden. Zudem eröffnet Präsenzunterricht auch die Möglichkeit des kritischen Exkurses mit einer Thematik durch z.B. Gruppendiskussionen oder Rollenspiele. Lehrsituationen, in denen sich Teilnehmer Wissen selbst erarbeiten und dann handschriftlich niederschreiben sollen, haben einen großen Behaltensfaktor. Laut Wissenschaftlern der Norwegian University of science and technology fördert speziell das handschriftliche Niederschreiben eines Sachverhaltes die Informationsaufnahme gegenüber dem Eintippen am PC oder Tablet. 

Durch die begleitete Umsetzung des Wissens im Seminar auf neue Aufgabengebiete wird die Transferebene erreicht. Die höheren Ebenen der beruflichen Handlungskompetenz werden ebenfalls nur über Präsenzunterricht erreicht, da hier der physikalische Austausch mit dem Dozenten oder mit der Gruppe notwendig ist. Gerade bei Berufsfeldern, in denen es um praktische Trainingsbetreuung – also die Interaktion mit dem Kunden – ankommt, sind Lehrmodelle, die komplett oder fast vollständig auf Präsenzunterricht verzichten, fehl am Platz. Rein onlinegestütztes Lernen ist nicht geeignet, da der Transfer in die Praxis fehlt. Das Zurückgreifen auf webbasierte Lehrsysteme ist dann sinnvoll, wenn der Grundgedanke des Blended Learning erhalten bleibt, der sinnvolle und optimal gestaltete Lernarrangements fordert.

Geschrieben von
Sascha Schrey | ist Diplom- Sportwissenschaftler (Schwerpunkt „Prävention und Rehabilitation“) und Betrieblicher Gesundheitsmanager (IHK). Er verfügt u.a. über Erfahrungen als Clubleiter, Sporttherapeut, selbstständiger Personaltrainer und Ausbilder. Am IST-Studieninstitut und an der IST-Hochschule für Management ist er für die Betreuung und Beratung von Studenten und Interessenten sowie die Lehrgangsentwicklung zuständig. Außerdem leitet er als Dozent Seminare.

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