Anzeige
Mit dem neuen Präventionsgesetz soll die Betriebliche Gesundheitsförderung verbessert werden.

Alle sprechen von der Notwendigkeit und der Bedeutung der Betrieblichen Gesundheitsförderung – unsere Branche, die Politik, die Krankenkassen, Verbände, Gewerkschaften usw. Doch erreichen wir mit den Maßnahmen die Richtigen?

Mit dem im Juli 2015 in Kraft getretenen neuen Präventionsgesetz wurden umfangreiche Änderungen beschlossen, auch um die Betriebliche Gesundheitsförderung zu verbessern. Die Ausgaben der Krankenkassen für Prävention und Gesundheitsförderung wurden insgesamt auf mehr als 500 Mio. Euro im Jahr verdoppelt. Nur für die Betriebliche Gesundheitsförderung müssen zwei Euro je Versicherten ausgegeben werden. Für das Jahr 2017 waren es ca. 144 Mio. Euro (Quelle: GKV_ MDS Präventionsbericht 2017). Es wurde beschlossen, eine BGF-Koordinierungsstelle einzurichten; diese ist seit Mai 2017 tätig. Sie soll Unternehmen unabhängig von Branche und Beschäftigtenzahl eine professionelle Anlaufstelle in Sachen Betrieblicher Gesundheitsförderung sein.

Präventionskurse boomen

Neben diesen Beratungsangeboten boomen die Präventionskurse. Doch erreichen wir damit die Richtigen, also die, die es nötig haben? Befragungen und Untersuchungen zeigen: nein. Das Grundproblem ist die „mangelhafte Einstellung“ der meisten Arbeitnehmer, für ihre Gesunderhaltung überhaupt etwas – nach Feierabend – zu tun. An Präventionskursen nehmen die sowieso Aktiven und nicht die „Coach-Potatoes“ teil. Doch die derzeit Inaktiven müssen wir erreichen – für Wachstum in unserer Branche und um Kostensteigerungen im Gesundheitswesen zu vermeiden. Die Firmenfitnesskonzepte beweisen es. Schaffen wir es, mit der Firma zu arbeiten, dort präsent und in der Firma aktiv zu sein, Kollektive zu aktivieren, erreichen wir Reaktionsquoten von teilweise bis zu 30 Prozent. Gegenüber ca. 12,9 Prozent ein respektables Ergebnis.

Bereits seit dem 1. Januar 2008 wird die Förderung der Mitarbeitergesundheit steuerlich unterstützt. Bis zu 500 Euro kann ein Unternehmen pro Mitarbeiter und pro Jahr lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren. Es werden jedoch nur Maßnahmen steuerbefreit, die hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit den Anforderungen der §§ 20 ff. des SGB V genügen. Hierzu zählen z.B.:

1.            Bewegungsprogramme

2.            Ernährungsangebote

3.            Suchtprävention

4.            Stressbewältigung

Nicht darunter fällt die Übernahme der Beiträge für einen Sportverein oder ein Gesundheitszentrum bzw. Fitnessstudio.

Mehr als 100.000 Kurse, die von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) geprüft wurden, können abgesetzt werden – durch zahlreiche wissenschaftliche Studien renommierter Universitäten nachgewiesenes gesundheitsförderndes gerätegestütztes Muskeltraining jedoch nicht.

Wenn wir nachhaltig die Anzahl der „Coach-Potatoes“ reduzieren wollen, dann muss diese Einschränkung beseitigt werden. Unternehmer dürfen relativ frei entscheiden, welche Maschinen, Pkws und Büroausstattung sie anschaffen und diese als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen. Das sollte künftig auch bei Leistungen zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter möglich sein. Daher muss der Beitrag zumindest in qualifizierten Gesundheitsstudios genauso berücksichtigt werden wie ein Präventionskurs.

Tobias Niemann, Gründer der HBSN AG und der for me do GmbH, ist Initiator des Netzwerktreffens Health Connect „Manager im Dialog“ und Mitglied des Gesundheitsausschusses des Deutschen Sportstudio Verbandes (DSSV).

Anzeige

News Ticker