Stark im Kopf

21.07.2011

Warum Fitnesscenter auf Mentalcoaching setzen sollten

Im Leistungssport hat man den Nutzen des Mentalcoachings und Mentaltrainings als einen wichtigen von vielen Puzzlesteinen schon längst entdeckt. Auch immer mehr Ernährungsberater, Fitness- und Gesundheitscenter nehmen sich nun dem Thema an. Warum dem Mentalcoaching auch für die breite Masse eine große Zukunft bevorsteht, weiß Andrea Etter.

Der Wille, seine Gewohnheiten in einen gesunden und sportlichen Lebensstil umzuwandeln, ist bei den meisten Menschen, die sich in einem Fitnesscenter anmelden, bereits da. Viele dieser anfangs Motivierten halten jedoch nicht lange durch und fallen in ihre alten Verhaltensmuster zurück. Die Folgen sind Frustration, Versagen und Schuldgefühle. Immer mehr setzt sich nun der Trend aus dem Spitzensport durch und wird in Zukunft eine große Rolle spielen: die Trainierenden werden von einem Mentalcoach begleitet, der ihnen dabei hilft, ihre gesteckten Ziele zu erreichen. Für eine erfolgreiche und dauerhafte Änderung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens kann eine interdisziplinä- re Zusammenarbeit von Ernährungsberatern, Fitnessbetreuern und einem auf dem Gebiet erfahrenen Mentalcoach nur empfohlen werden. Hierbei ist selbstverständlich zu berücksichtigen, dass das gegenseitige Vertrauen zwischen den Betreuern und Kunden stets gewährleistet sein muss.

Mentale Einstellung entscheidet
Mittlerweile sind die verschiedensten „Blitzdiäten“ mit keinem oder nur kurzfristigem Erfolg mit Jo-Jo-Effekt in Verruf geraten. Man hat allgemein erkannt, dass der Weg zu Wohlfühlgewicht und Vitalität nur über das Ändern des eigenen ungesunden Lebensstils führt. Erfreulicherweise haben sich viele Gesundheitsinstitutionen dem Thema an- genommen und bieten Ernährungsberatung in Kombination mit diversen Programmen für individuelle sportliche Betätigung an. Leider wird aber noch viel zu wenig im mentalen Bereich gearbeitet. Über Erfolg oder Misserfolg jedoch entscheidet letztlich die mentale Einstellung des Einzelnen. Die Beachtung muss unweigerlich auf allen drei Grundkomponenten, d.h. richtige Ernährung, richtige Bewegung und richtige mentale Einstellung liegen.

Positive Ziele setzen
Bei einem Mentalcoaching wird mit den Kunden in erster Linie an einer positiven Grundhaltung gearbeitet. Diese ist Voraussetzung für jegliche gewünschte Veränderung von Gewohnheiten. Eine Umstellung des Essverhaltens ist nicht eine vorübergehende Diät, sondern hat mit der Veränderung von alten Gewohnheitsmustern zu tun. Alte Gewohnheiten sind jedoch tief in unserem Unterbewusstsein abgespeichert und müssen für eine langfristige Veränderung auch dort durch neue Verhaltensmuster ersetzt werden. Genau hier ist eine mentale Begleitung der Klienten entscheidend. Häufig wird mit dem Setzen von Zielen gearbeitet, da diese nachweis- lich die Motivation, den inneren Antrieb und das Durchhaltevermögen stärken. Die Zielarbeit spielt auch zu Beginn eines Mentalcoachings eine große Rolle. Es ist enorm wichtig, dass Ziele mittels lösungsorientiertem Coaching (mit diversen Fragetechniken und Perspektivenwechsel wird der Kunde zu seinen eigenen Zielen und Lösungen geführt) individuell ausgearbeitet werden. Der Gedanke an ein Ziel muss Freude und positive Gefühle auslösen. Man muss das Ziel visualisieren können und Spaß daran haben. Als Ziel „Abnehmen“ zu formulieren ist definitiv fehl am Platz und kontraproduktiv. Wer verbindet „Abnehmen“ schon mit Spaß? Wohl eher denkt man dabei an Anstrengung, Verzicht und Frust. Auch eine bestimmte Zahl auf der Waage wird selten Hochgefühle auslösen. Dem Einzelnen muss klar werden, warum er seine gewohnte Ernährung und seinen Lebensstil verändern will, was will er/sie erreichen? Vitalität, Unabhängigkeit, Fitness, sportliche Ziele, gesunde Ausstrahlung und Freiheit sind Dinge, die erstrahlen lassen.

Geduld und Erfolge
Bis alte eingeprägte Gewohnheiten durch neue Verhaltensmuster im Unterbewusstsein ersetzt werden, braucht es Zeit, Geduld und vor allem viele positive Erfolge. Diese erreicht man durch das Setzen von diversen kurzfristig erreichbaren Zwischenzielen, welche auch gebührend gefeiert oder belohnt werden. Je häufiger neue Verhaltensweisen erlebt, also „geübt“ werden, desto stärker werden sie und desto mehr können alte Muster von ihrem Podestplatz verdrängt werden. Hier kann ein gezieltes Mentaltraining äußerst hilfreich sein. Unser Gehirn erkennt nämlich nicht den Unterschied, ob man Erfahrungen wirklich erlebt, oder diese sich nur vorgestellt hat und legt in jedem Fall eine „Spur“ dafür an. Es ist also möglich, im eigenen mentalen Trainingsraum neue Verhaltensmuster anzutrainieren, so dass sie schneller in unserem Unterbewusstsein abgespeichert werden.

Stress bewältigen
Zu einem Mentalcoaching im Bereich der Gewichtskontrolle gehört auch das große Thema Stressmanagement. Stress ist eine körperliche Reaktion auf eine potenzielle Bedrohung. Zu den bekanntesten Stresshormonen gehören Adrenalin und Cortisol. Kurzfristiger Stress gehört zum Leben, macht vorübergehend leistungsfähiger, schmerzunempfindlicher und kann in gewissen Situationen gar überlebenswichtig sein. Andauernde Stressbelastungen auf Körper und Psyche führen jedoch zu chronischem Stress. Der Organismus befindet sich im dauerhaften Alarmzustand und die fein aufeinander abgestimmten Konzentrationen an Hormonen befinden sich nicht mehr im Gleichgewicht. Auch andauernde Diäten und krampfhafte Versuche, abzunehmen, können purer Stress sein mit der Konsequenz, dass man jahrelang versucht abzunehmen, und genau das macht dick. Lösungsorientiertes Coaching und Mentaltraining sind bewährte Mittel zur Stressbewältigung. In einem Coaching werden verschiedene Stressoren erkannt, selektioniert und sinnvolle Reaktionen auf diese erarbeitet. Mittels Mentaltraining können auch hier neue Verhaltensmuster antrainiert und diverse individuelle Entspannungstechniken erlernt werden. Das Wichtigste überhaupt im Mentalcoaching ist das Erarbeiten und Aufzeigen von eigenen individuellen Lösungswegen und somit das Fördern der Selbstbestimmung. Schwächende innere Dialoge werden durch aufbauendes konstruktives Denken ersetzt. Klienten müssen raus aus der „Opferrolle“. Warum-Fragen werden umformuliert in Wie-Fragen: nicht „Warum geht das bei Ihnen nicht?“, sondern: „Wie geht es bei Ihnen?“

Andrea Etter

Kategorie: Konzepte & Modelle

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