Völlig schwerelos

02.11.2011

Bewegungskonzepte für Aquatraining

Das Interesse an Bewegungsmöglichkeiten im Wasser ist ungebrochen. Besonders im Gesundheitssport bzw. im Therapiebereich wird die positive Wirkung von Bewegung im Wasser sehr geschätzt. Neben klassischer Wassergymnastik gibt es unterschiedliche Bewegungskonzepte, mit denen Pools und Schwimmbäder verstärkt als zusätzliches Profitcenter genutzt werden können.

Pools gehören zu den kostenintensivsten Angeboten einer Fitnessund Gesundheitsanlage. Gerade unter betriebswirtschaftlichen Aspekten ist es schwierig, diesen Bereich gewinnbringend zu führen. Anlagenbetreiber sind auf der Suche nach Trainingsformen und -methoden, die gezielt für die Bewegung im Wasser konzipiert wurden und den Nassbereich auch unter monetären Gesichtspunkten attraktiv machen. body LIFE stellt einige Konzepte vor.

Wie Wasser wirkt
Der Vorteil des Trainings im Wasser liegt in seiner äußerst gelenkschonenden Eigenschaft und eignet sich daher auch für Menschen mit gesundheitlichen Problemen wie Rücken- und Gelenkbeschwerden. Beim Aquatraining profitiert der Sportler von den besonderen physikalischen Eigenschaften des Wassers. Für das Training bedeutet das: Der Körper erfährt durch den im Wasser herrschenden Druck einen Auftrieb, wodurch er sich leichter anfühlt und die Belastung weniger anstrengend und angenehmer erscheinen lässt. Tatsächlich ist die Herzfrequenz aber bei der Bewegung im Wasser höher als bei gleicher Belastung an Land. Das haben die neuesten wissenschaftlichen Studien von Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln ergeben. Zudem werden Wirbelsäule und Gelenke entlastet, was vor allem übergewichtigen Personen und Menschen mit Gelenkbeschwerden entgegenkommt. Wasser weist eine höhere Dichte als z.B. Luft auf. Diese Tatsache hat zur Folge, dass der Widerstand im Wasser bei allen Bewegungen höher ist als an Land. Dies bedeutet: Wasser alleine ist bereits ein Trainingsgerät. Zusätzlich strafft die massierende Wirkung des Wassers das Gewebe, was wiederum Menschen mit Bindegewebsschwäche entgegenkommt: Straffung und Kräftigung sind die Folge. Um diese positiven Eigenschaften durch das richtige Equipment zu verstärken, haben sich unterschiedliche Hersteller auf Konzepte für Aquatraining und die anschließende Entspannung spezialisiert.

Wasser-Cycling
Als Ergänzung für Fahrradergometer an Land gibt es auch Geräte (z.B. Aquarider Professional), die speziell für den Einsatz im Wasser konzipiert wurden. Sie regulieren den Widerstand nicht über eine Bremse, sondern mit Platten (sogenannten Propellern), die an den Tretkurbeln stufenweise verstellbar sind und als Reibungswiderstand im Wasser fungieren. Um den Einsatz in Therapie und wissenschaftlichen Untersuchungen im Sinne einer möglichst exakten Quantifizierung der Leistung anhand des Sauerstoffverbrauchs zu ermöglichen, wurde am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln unter Leitung von Herrn Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch eine Studie zur Quantifizierung der Leistung auf dem Unterwasserergometer durchgeführt. In dieser Studie absolvierten Sporthochschulstudenten einen identischen spiroergometrischen Untersuchungsgang bei verschiedenen Tretfrequenzen und Widerständen an Land und im Wasser. Die Widerstände im Wasser wurden durch die unterschiedlichen Propeller-Einstellungen variiert. Die erbrachten Leistungen waren laut SRM-Messtechnik im Wasser und an Land ähnlich.

Nordic Sports im Wasser
Mit deutlich weniger Equipment kommt das Konzept „Nordic Aqua Sports“ aus. Drei Varianten sind möglich: Aqua Walking (in flachem Wasser), Aqua Jogging (in tiefem Wasser) sowie Aqua Fitness mit speziellen Übungen im Stand. Der Hersteller Nemcomed entwickelte dafür die Nordic Aqua Handles, bestehend aus zwei ergonomisch geformten Nordic-Walking- Griffen, die mit strömungsdynamischen Kunststofftrichtern verbunden sind. Die Trichter erzeugen unterschiedliche Wasserwiderstände. Durch die spezielle Becheröffnung sei, so betont der Hersteller, eine Abdrucks- und Krafteinsatzform möglich, die mit handelsüblichen Aquahanteln nicht vergleichbar sei. Das heißt, die Nordic Aqua Handles unterstützen keine Auftriebswirkung. Im Gegensatz dazu ist der beim Nordic Walking übliche Stockeinsatz im Wasser fragwürdig – der Abdruck am Beckenboden wird durch den Auftrieb und den oft glatten Fliesenboden verhindert – ganz zu schweigen von eventuellen Schäden am Beckenboden.

Zirkeltraining im Wasser
In der Fitnessbranche geht die Tendenz in Richtung effektives Krafttraining. Der ganze Körper soll von Kopf bis Fuß in möglichst kurzer Zeit optimal gestärkt und die Figur verbessert werden. Die erfolgreichste Trainingsmethodik ist hierbei das Zirkeltraining, denn es verbindet alle drei wichtigen konditionellen Fähigkeiten: Ausdauer, Kraft und Koordination. Dieses Prinzip wird nun auch auf das Training im Wasser übertragen. Gerade die Komponente Kraft konnte lange Zeit nur unzureichend im Wasser trainiert werden. Dafür wurde nun ein Ge- rätezirkel mit der Aquahydraulik-Technik von Dr. Uwe Schlünz in seiner Dissertationsarbeit an der Universität Potsdam entwickelt und von der Firma Aquaback technisch umgesetzt. Durch spezielle Zylinder kann der Widerstand stufenartig reguliert werden, somit ist ein individuell einstellbares Training für unterschiedliche Kraftniveaus möglich. Sportwissenschaftliche Studien mit über 100 Probanden an der Uni Potsdam und an der Uni Bremen untersuchten die physischen Effekte der Zirkelkurse. Die eingesetzte Trainingsmethodik mit den individuell einstellbaren Geräten bewirkt eine Stabilisierung des Körpers im Wasser und eine optimale Kräftigung der Muskulatur unter gelenkschonenden Bedingungen. Dies wirkt sich begünstigend auf die ausgewählten Übungen aus und führt u.a. letztendlich zu der statistisch nachgewiesenen Kräftigung der Rumpfmuskulatur und einer Schmerzsenkung. Kurse richtig aufbauen Die Kursdauer beträgt in der Regel 45 Minuten (auch 30-Minuten-Kurse sind möglich, je nach Kursorganisation). Die Kursstunde beginnt mit einer allgemeinen Ganzkörpererwärmung mit oder ohne Aquahanteln. Anschließend absolviert der Teilnehmer die insgesamt zehn Stationen des Zirkels. Kombiniert werden dabei Übungen an den speziellen Geräten (Aquaback, Aquapullpress, Auqarotation etc.) und Übungen mit Kleingeräten (z.B. Unterwassertrampolin, Bauchrolle, Schrägbrett). 3 x 60 Sekunden werden die Übungen pro Station durchgeführt, bevor die Musik im Hintergrund das Signal gibt, zum nächsten Gerät zu wechseln. Dadurch wird der ganze Körper trainiert. Zudem wird die Muskulatur durch das Wasser warmgehalten und durch leichte Massage stimuliert. Die Kursstunde endet mit Entspannungsübungen. Die optimale Wassertiefe für Kurse im Wasser liegt zwischen 1,20 m und 1,40 m, die ideale Wassertemperatur im Bereich von 29°C bis 34°C. Zur Vorbereitung werden die Geräte in weniger als fünf Minuten in das Becken transportiert. Dabei kann eine Schräge helfen, die wie eine Rutsche fungiert, denn alle Geräte sind mit Rädern ausgestattet und können so auf den Fliesen gut gerollt werden. Nach dem Kurs werden die Geräte außerhalb des Beckens gelagert. Hierfür wird eine maximale Fläche von 9 m2 benötigt. Es ist allerdings auch möglich, die Geräte im Wasser zu lassen und diesen Bereich abzusperren. Um den Zirkelkurs unterrichten zu können, ist eine spezifische Instruktor-Ausbildung notwendig. Diese erfolgt in zehn Unterrichtseinheiten und wird durch eine Lehrprobe geprüft und zertifiziert. Es haben sich Kurse im Rhythmus von zehn Wochen bewährt, da die Ferienzeiten überbrückt werden können. Die Kursgebühr liegt zwischen 119,– Euro und 149,– Euro inklusive Eintrittspreis für das Bad. Dadurch erweisen sich bereits fünf Kurse pro Woche als rentable Einnahmequelle für den Kursanbieter.

Eintauchen zur Stressreduktion
Im Zeitalter von Burnout und Depressionen ist Zeit zum Entspannen ein wertvolles Gut. Ergänzend zu medizinischen Behandlungen wird Floating nicht nur bei Stress, sondern auch bei Depressionen, Schlafstörungen, muskulären Verspannungen beispielsweise von Sportlern, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie bei Allergien und Hautproblemen eingesetzt. Das Angebot wird in sogenannten Floating-Tanks durchgeführt. Das englische Wort „floating“ bedeutet schweben, an der Oberfläche halten – sprich, das Gefühl der Schwerelosigkeit, in Salzwasser zu treiben, zu genießen. Floating gilt als natürliche Heilmethode und bringt den Gast in eine Art Urzustand – vergleichbar mit jenem in der Gebärmutter vor der Geburt. Solegehalt ermöglicht Schwebezustand Es ist wichtig, dass das Wasser und die Raumluft im Tank auf 25 bis 30 Grad temperiert sind und das Wasser einen Solegehalt von 26 Prozent hat, damit der Körper auf dem Wasser schweben kann, ohne zu frieren. Nach jeder Floating-Behandlung wird das Wasser (ca. 700 Liter) aus dem Tank abgelassen und über zwei spezielle Salzfilter gereinigt und frisch aufbereitet. Danach fließt das Wasser über einen UVEntkeimer und einen Ozon-Generator in einen externen Wasserspeicher und wird dabei desinfiziert. Eine Floating-Anwendung dauert eine Stunde und beginnt mit einer entspannenden 5-Minuten-Einleitung mit Musik und Licht. Es folgen 50 Minuten völlige Stille und Dunkelheit, die mit einem 5-minütigen Aufwachprogramm mit lauter werdender Musik enden.

Kategorie: Trainingsmethoden

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