Die Spreu trennt sich vom Weizen
Verstärkte Kontrollen im Rehabilitationssport
Anbieter von Rehabilitationssport werden jetzt häufiger kontrolliert. Wer professionell arbeitet, hat nichts zu befürchten. Ganz im Gegenteil: Professionelle Anbieter können profitieren, wenn die schwarzen Schafe durch die Behindertensportverbände sanktioniert werden.
Bedingt durch den rasanten Zuwachs an modernen Trainingsstätten innerhalb der letzen fünf Jahre, richtet sich selbstverständlich auch das Auge der Kostenträger und der Behindertensportverbände, die letztendlich die Marschrichtung für den Rehabilitationssport in Deutschland vorgeben, immer mehr auf eventuelle Verfehlungen und die schwarzen Schafe. Leider gibt es die natürlich auch im Gesundheitssport. Große Vereine stehen dabei ganz besonders im Fokus der Prüfer, da dort das Wachstum im Rehabilitationssport sehr hoch war.
Unterschiedliche Prüfpraktiken
In Rheinland-Pfalz wurden im letzten Jahr sämtliche Anbieter von Rehabilitationssport unangemeldet besucht und einer Prüfung durch den Behindertensportverband unterzogen. In anderen Bundesländern wird stichprobenartig kontrolliert oder es wird lediglich auf konkrete Beschwerden reagiert und geprüft. Der Grund für diese unterschiedliche Vorgehensweise liegt schlicht und ergreifend in den personellen Ressourcen, die dem jeweiligen Landesverband zur Verfügung stehen. Fakt ist aber, dass das Netz der Überprüfungen immer enger gezogen wird. Dies ist zum einen das gute Recht derer, die die Kosten für Leistungen im Rehabilitationssport übernehmen. Zum anderen ist es gut so, denn nur durch verstärkte Kontrollen kann dauerhaft die Spreu vom Weizen getrennt und langfristig Vertrauen zu Ärzten, Versicherten und Krankenkassen aufgebaut werden. Im Rahmen der in Rheinland-Pfalz durchgeführten Prüfungen wurden auch die 30 Standorte des bundesweit agierenden Vereins für den Rehabilitationssport „RehaVitalisPlus e.V.“ unter die Lupe genommen. Dass Prüfungen nicht immer etwas Unangenehmes oder gar Schlechtes sein müssen, zeigt der Auszug aus dem Prüfbericht des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Rheinland-Pfalz: „Die vermittelten Informationen stehen in Einklang mit den geltenden Richtlinien, insbesondere in Bezug auf die formalen Qualitätskriterien des Rehabilitationssports nach §44 Abs. 3 SGB IX.“ Diese Ergebnisse werden von den Verbänden auch an die Kostenträger kommuniziert. Und oft steigen die Verordnungen nach einer positiv verlaufenen Prüfung plötzlich an.
Zulassungen entzogen
Selbstverständlich wird auch eingeschritten, wenn die Regeln nicht eingehalten werden. Und je nach Art und Weise der Verfehlung wird manchem Anbieter sogar die Zulassung zum Rehabilitationssport entzogen. Der regelkonforme Weg ist nicht der leichteste und der schnellste. Er erfordert viel Arbeit, Ausdauer, höhere Kosten und eine langfristige Vorgehensweise. Wenn also Anbieter dauerhaft mit einer nicht ordnungsgemäßen Vorgehensweise davonkämen, wäre es für die, die sich an die Regeln halten, nicht nur frustrierend, sondern auch in höchstem Maße wettbewerbsverzerrend.
Keine Angst vor Kontrollen
Immer dann, wenn ein Marktsegment an Attraktivität zunimmt, wächst gleichermaßen die Anzahl der im Markt kursierenden Gerüchte. Das geht so weit, dass man dem Rehabilitationssport keine große Zukunft mehr voraussagt oder dass pauschal sämtlichen Vereinen, die größer sind und überregional agieren, das „Aus“ prophezeit wird. Obwohl in den wenigsten Fällen auch nur ein Funken Wahrheit in diesen Aussagen zu finden ist, führen sie doch dazu, bereits in diesem Markt befindliche Anbieter massiv zu verunsichern bzw. Anbieter, die an der Entscheidungsschwelle stehen, davon abzuhalten, sich mit dem Thema Rehabilitation zu beschäftigen. Korrekt ist, dass die Kontrollen zunehmen. Richtig ist weiter, dass auch oder gerade die großen Vereine immer mehr in den Fokus dieser Überprüfungen geraten. Denn Größe ist im Bereich Rehabilitationssport etwas Neues und was neu ist, wird erst einmal skeptisch beobachtet. Es stimmt auch, dass Anbieter im Gesundheitssport, die sich nicht an die Regeln halten, mit empfindlichen Sanktionen rechnen müssen. Wer sich allerdings an die gesetzlichen Vorschriften hält, muss sich keine Gedanken machen. Ganz im Gegenteil: Mittel- bis langfristig werden qualitätsbewusste Clubbetreiber profitieren. In Gesprächen mit Hauptverantwortlichen des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) ist die Zukunft des Rehabilitationssportes in Deutschland kein Thema gewesen. Neue Vereine können sogar noch Versorgungslücken schließen.
Existenzsicherung durch Qualität
Den einzig wahren Weg könnte man aus einem alten Sprichwort ableiten: „Ehrlich währt am längsten.“ Man sollte sich den Anforderungen der Zielgruppe stellen, die Erwartungen an das Thema aufnehmen und „ehrlich“ umsetzen. Wer sich mit dem Rehabilitationssport intensiv auseinandersetzt und gute Qualität liefert, wird mit einer steigenden Teilnehmerzahl belohnt. Wer sich gut um seine Patienten kümmert, bei dem werden auch Zusatzangebote wahrgenommen und nach der kostenfreien Erstversorgung durch die Kostenträger werden gut betreute Kunden meist treue selbstzahlende Mitglieder. Rehabilitationssport anzubieten ist die eine Sache, aber solch ein Konzept erfolgreich und langfristig umzusetzen, eine andere. Dazu muss man Strukturen und Arbeitsabläufe schaffen, die einen reibungslosen Ablauf gewährleisten, das Personal entsprechend schulen und die Prozesse immer wieder kontrollieren. Es ist nicht ausreichend, nur die Bezeichnung der Therapieangebote mit dem Stempel „Medizin“ oder „Gesundheit“ zu versehen. Hat man sich für das Angebot von Rehabilitationssport entschieden, sind grundlegende Veränderungen notwendig, die durch Schulungen ins Unternehmen gebracht werden können. Darüber hinaus ist ein Handbuch zum Thema wichtig. Solche Handbücher beschreiben die Arbeitsabläufe im Unternehmen sehr genau. Sie sind auch die Grundlage für ein Qualitätsmanagement und ermöglichen allen Mitarbeitern, vor allem den neuen, die Qualitätsstandards kennenzulernen und einzuhalten.
Schulungen nutzen
Um die nötige Qualität in den Betrieb zu bringen, ist es ratsam, sich mit dem Produkt Ge- sundheitssport auseinanderzusetzen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Sportspezifische Schulungen gibt es zu diesem Thema reichlich, jedoch leider nicht auf der Managementebene. In einigen Vereinen, wie z.B. dem RehaVitalisPlus e.V., werden seit 2010 Schulungen auch für das Management angeboten. Der Schulungsbedarf wurde durch eine Befragung der Partner sowie auf der 1. Beiratssitzung des Vereins ermittelt. Daraus ergab sich z.B. ein grundlegender Schulungsbedarf zum Umgang mit Kostenträgern und Ärzten vor Ort. 2012 bietet der Verein ein stark erweitertes Schulungsprogramm an, u.a. werden Weiterbildungen zur „Fachkraft für Service und Verkauf im Gesundheits- und Rehabilitationssport“, zur „Fachkraft für professionelle Beratung im Gesundheits- und Rehabilitationssport“ oder zur „Fachkraft für Verwaltung und Controlling“ angeboten.
Kommunikation nicht vergessen
Was nützt aber die beste Idee, wenn sie wegen mangelnder Kommunikation nicht umgesetzt wird? Viele Kostenträger vor Ort kennen Ihr Fitnessstudio und Ihr Angebot gar nicht. Genauso verhält es sich mit niedergelassenen Ärzten. Deshalb sollten Sie sich zukünftigen Partnern vorstellen und regelmäßig Kontakt halten und so ein Netzwerk gleichberechtigter Partner aufbauen. Um die Kommunikation vor allem zu den Patienten sicherzustellen, bedarf es ebenfalls einer breiten Kommunikationsstrategie. Angefangen bei einer Website, die mit den entsprechenden Suchbegriffen gefunden werden sollte, über Verlinkungsmöglichkeiten zur Suchmaschinenoptimierung bis hin zu einer Seite bei Facebook, die aber natürlich nur etwas nützt, wenn sie regelmäßig mit Inhalt gefüllt wird. Zur Optimierung der Kommunikation bietet sich auch eine eigene App an. Alle Informationen können dann sofort und jederzeit unterwegs abgerufen werden. Wichtig dabei ist, darauf zu achten, dass die App nicht nur auf einem iPhone, sondern auch auf Android verfügbar ist. Die App kann z.B. Informationen über medizinische Indikationen, die Standorte des Anbieters oder aktuelle Nachrichten enthalten. Ein Flyer und eine Informationsmappe sollten im Kommunikationsmix ebenfalls nicht fehlen. Wichtig ist dabei eine professionelle Gestaltung dieser Printmedien.
Bernd Schranz, www.rehavitalisplus.de




