Präventionskurs nach §20: Die Chance für Clubbetreiber neue Kunden anzusprechen

05.05.2017
Präventionskurs nach §20: Die Chance für Clubbetreiber neue Kunden anzusprechen
Foto: Kzenon/shutterstock.com

 

Durch das neue Präventionsgesetz ergibt sich für Studiobetreiber die Chance, sich durch das Angebot von Präventionskursen nach § 20 SGB V als Gesundheitsdienstleister stärker zu positionieren. Dadurch kann man sich von Mitbewerbern deutlicher abgrenzen und außerdem neue Kundengruppen ansprechen. Denn zum ersten Mal werden im Präventionsgesetz qualitätsgesicherte Angebote in Fitnessstudios als empfehlenswerte Maßnahmen zur verhaltensbezogenen Primärprävention explizit genannt und es stehen den Krankenkassen mehr Gelder für Präventionsleistungen zur Verfügung.

Seit dem 1.1.2016 wird das „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention“ (Präventionsgesetz – PrävG) umgesetzt. Als Meilensteine für die Fitnessbranche ist hierbei zu werten, dass qualitätsgesicherte Angebote in Fitnessstudios erstmalig als empfehlenswerte Maßnahmen zur verhaltensbezogenen Primärprävention genannt und Ärzte angehalten werden, auf Präventionsangebote verstärkt aufmerksam zu machen. Zudem können Studiobesitzer auch von der Erhöhung der finanziellen Aufwendungen für Prävention profitieren.

Den gesetzlichen Krankenkassen stehen ab sofort mehr Gelder für Präventionsleistungen zur Verfügung, wodurch mehr Kunden kostengünstiger an Präventionskursen teilnehmen können. Die Fitnessbranche wird durch das neue Präventionsgesetz ein wichtiger Partner des Gesundheitssystems und Präventionskurse nach § 20 SGB V gewinnen für Fitnessanlagen weiter an Bedeutung.

 

 

Kurse nach § 20: die Möglichkeiten für Clubbetreiber

Generell haben Studios zwei verschiedene Möglichkeiten, mit qualifizierten Kursleitern Präventionskurse nach § 20 SGB V anzubieten und neue Zielgruppen anzusprechen: ein leitfadenkonformes Kursprogramm selbst zu erarbeiten oder aber auf ein vorbereitetes, vorgeprüftes und durch die ZPP (Zentrale Prüfstelle Prävention) bereits zertifiziertes Kursprogramm zurückzugreifen.

 

- Leitfadenkonformes Kursprogramm selbst erarbeiten

Der Kursanbieter erstellt ein eigenes leitfadenkonformes Kursprogramm. Hierbei muss eine detaillierte Planung erfolgen, die u.a. folgende Punkte berücksichtigt: Präventionsbereich, Zielgruppe, Ziele, Inhalte, Methodik, räum-
liche Voraussetzungen sowie Teilnehmergebühr. Des Weiteren müssen ausführliche Stundenbilder und Handouts für die Teilnehmer für alle Kurseinheiten erarbeitet werden.

Nach Fertigstellung registriert sich der Studiobetreiber online bei der ZPP (www.zentrale-pruefstelle-praevention.de), vervollständigt alle Angaben zur Erstellung eines Kurskonzeptes und lädt die erforderlichen Dokumente, wie z.B. Qualifikationsnachweis des Kursleiters, hoch. Der Prüfprozess der ZPP ist kostenlos und endet bei erfolgreicher Prüfung mit einem Genehmigungsbescheid. Nach erfolgreicher Zertifizierung erhält der Kursanbieter sowohl ein Zertifikat als auch die Teilnahmebescheinigungen, mit denen die Präventionskursteilnehmer die Bezuschussung bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen können.

Aus Erfahrung stellt ein selbst erarbeiteter Präventionskurs für viele Studiobesitzer eine Herausforderung dar. Denn nur Kursleiter mit einem staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss im Bereich Bewegung dürfen diese Präventionskurse durchführen und sind in der Lage, diese auch zu entwickeln. Oftmals hat der Kursleiter bei bestimmten Präventionsangeboten noch eine Zusatzqualifikation vorzuweisen; so erfüllt zum Beispiel ein Kursleiter mit der Qualifikation „Diplom-Sportlehrer“ laut GKV-Leitfaden die Anbieterqualifikation für einen Präventionskurs „Herz-Kreislauf-Training“. Möchte der gleiche Kursleiter allerdings einen Präventionskurs „Nordic Walking“ anbieten, benötigt er dafür dann eine Zusatzqualifikation im Bereich „Nordic Walking“.

Und selbst wenn alle geforderten Kursleiterqualifikationen vorliegen, ist die Erarbeitung eines leitfadenkonformen Kurskonzeptes unter Berücksichtigung der oben im Text aufgeführten Inhaltspunkte mit einem erheblichen Aufwand verbunden.

 

- Bereits vorgefertigtes und ZPP-zertifiziertes Programm nutzen

Eine Alternative bietet sich für Kursanbieter durch bereits vorgefertigte und durch die ZPP schon geprüfte und zertifizierte Kursprogramme, die mit einem staatl. anerkannten Berufs- oder Studienabschluss im Bereich Bewegung durchgeführt werden dürfen. Diese Kursprogramme enthalten in der Regel bereits alle Materialien (z.B. Kursmanual, Stundenbilder und Teilnehmerunterlagen).

Durch die bereits erfolgte Anerkennung durch die ZPP haben diese Programme des Weiteren den Vorteil, dass der Prüfvorgang bei der ZPP vereinfacht ist, denn viele erforderliche Daten sind in der Eingabemaske bei der ZPP bereits hinterlegt. Der Studiobetreiber registriert sich wie gewohnt bei der ZPP, vervollständigt die noch ausstehenden Informationen und lädt die entsprechenden Dokumente hoch. Der eingeleitete Prüfprozess ist auch in diesem Fall wieder kostenlos und endet bei erfolgreicher Prüfung mit einem Genehmigungsbescheid.

Nach erfolgreicher Zertifizierung stehen dem Kursanbieter auch in diesem Fall sowohl ein Zertifikat als Download als auch die Teilnahmebescheinigungen bereit, mit denen Kursteilnehmer die Bezuschussung bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen können.

Als Beispiele für bereits vorgefertigte und ZPP-zertifizierte Präventionsprogramme im Bereich Bewegungsgewohnheiten wären an dieser Stelle die DSSV-Gesundheitsprogramme „Kraft Aktiv“ und „Cardio-Fitness“ zu erwähnen. Die beiden leitfadenkonformen Programme wurden vom Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) entwickelt und stehen allen Mitgliedsstudios kostenlos zur Verfügung. Eine Besonderheit: Die beiden DSSV-Gesundheitsprogramme können ohne staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss, sondern mit einer vom GKV-Spitzenverband anerkannten Trainerlizenz, durchgeführt werden! Weitere Informationen erhalten Sie auf www.dssv.de.

 

 

Funktionell Trainieren

Fazit

Das vom Bundestag beschlossene Präventionsgesetz bietet in Bezug auf Präventionskurse nach § 20 für Studiobetreiber neue Chancen. Durch eine stärkere Positionierung als Gesundheitsdienstleister durch das Angebot von Präventionskursen bietet sich die Möglichkeit, neue und mehr Kunden anzusprechen und als Mitglieder zu gewinnen.

 

Den Artikel finden Sie in der Body LIFE 4/16, geschrieben von
Manuela Reusing | absolvierte eine Ausbildung zur staatl. gepr. Gymnastiklehrerin und ist seit 1995 als Studio- bzw. Bereichsleiterin in einem  Fitnessstudio tätig. Nach dem Abschluss zum „Bachelor of Arts  Ernährungsberatung“ und „Master of Arts Prävention und Gesundheitsmanagement“ kamen Beratungstätigkeiten sowohl für Firmen als auch Einzelpersonen rund um die Themen Bewegung und Ernährung hinzu. Seit 1998 ist Manuela Reusing für die BSA-Akademie, seit 2008 auch für die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (www.dhfpg-bsa.de) als Referentin und Fachleiterin für den Bereich Gruppentraining tätig.

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