Was als Entwicklungsprojekt im next level Therapie- und Trainingszentrum in Schweinfurt begann, hat sich in wenigen Jahren zu einem internationalen HealthTech-Unternehmen entwickelt: SKILLCOURT.
Nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde über 1,7 Millionen Euro bei einer Unternehmensbewertung von 20 Millionen Euro spricht Geschäftsführer Christian Hasler über die nächste Wachstumsphase, die internationale Expansion und den Weg vom einzelnen Trainingssystem zur Plattform.
body LIFE: Christian, SKILLCOURT hat eine Finanzierungsrunde über 1,7 Millionen Euro abgeschlossen. Was bedeutet dieser Schritt für das Unternehmen?
Christian Hasler: Die Runde wurde bei einer Unternehmensbewertung von 20 Millionen Euro von europäischen Investoren aus Sport und Finanzwirtschaft gezeichnet. Das Kapital fließt in die Weiterentwicklung unserer Produkte, den internationalen Marktausbau und die Vorbereitung der nächsten größeren Finanzierungsrunde. Heute haben wir die Strukturen, das Team und die Produkte, um zusätzliches Kapital gezielt einzusetzen und unser Wachstum weiter zu beschleunigen.
Was soll dieses Wachstum ermöglichen?
Unsere Überzeugung ist, dass erfolgreiche Unternehmen gesellschaftlich relevante Probleme lösen. Wir sehen, dass Themen wie Demenz, kognitiver Abbau, Burn-out oder Longevity immer wichtiger werden. Gleichzeitig konzentriert sich Training häufig noch fast ausschließlich auf die Motorik. VIKOMOTORIK schließt diese Lücke zwischen Kopf und Körper. Diese Verbindung wollen wir messbar machen und gezielt trainieren.
Die Wurzeln von SKILLCOURT reichen bis 2017 zurück. Im kommenden Jahr sind es zehn Jahre. Wie blickst du auf die Entwicklung?
Damals haben wir mit der Movement Concepts GmbH und der Gründung unserer Laufschule begonnen. Das Ziel war klar: ein hocheffizientes und gewinnbringendes Konzept für die Physio- und Fitnessbranche zu schaffen, das Patienten, Sportlern und Kindern gezielt dabei hilft, besser zu gehen und zu laufen. Auf diesen wissenschaftlichen und konzeptionellen Grundlagen ist ab 2019 SKILLCOURT entstanden. In dieser entscheidenden Phase kam auch Marcel Grünwald als weiterer Geschäftsführer und Verantwortlicher für die technische Entwicklung an Bord. Seitdem haben wir uns Schritt für Schritt vom einzelnen Trainingssystem zu einer internationalen Plattform entwickelt. Heute sind wir in 28 Ländern vertreten, führen Gesellschaften in Deutschland, Großbritannien und den USA und sind definitiv aus den Kinderschuhen heraus.
SKILLCOURT entwickelt sich vom einzelnen Trainingssystem zur Plattform.
Zu unserer Produktfamilie zählen neben dem klassischen SKILLCOURT mittlerweile SKILLPLATE für die Sprungdiagnostik, SKILLTRACK für Sprintanalysen und mit SKILLCOURT VIKO auch ein extrem platzsparendes Setup für das neurozentrierte visuelle und kognitive Training. Wir schaffen eine zentrale Plattform, die sämtliche diagnostischen Informationen für Therapeuten und Trainer an einem Ort bündelt. Durch diese stetigen Hard- und Software-Innovationen machen wir Diagnostik und Training von Tag zu Tag präziser.
Hat sich eure Zielgruppe im Laufe der Jahre verändert?
Sie ist im Laufe der Zeit stark gewachsen und deutlich präziser geworden. Am Anfang mussten auch wir erst Erfahrungen sammeln, um zu verstehen, wo SKILLCOURT den größten Nutzen stiftet. Heute wissen wir: Spitzentechnologie funktioniert nur im Zusammenspiel mit exzellenter Betreuung und durchdachten Prozessen. Deshalb konzentrieren wir uns auf Qualitätsanbieter – von Physiotherapien mit Selbstzahlerbereich über Premium-Fitnessanlagen bis hin zu Spitzensport, Militär und dem dynamisch wachsenden Longevity-Markt.
Warum gerade diese Bereiche?
Weil dort Qualität zählt. Unsere Kunden wollen ihre Mitglieder oder Patienten besser machen und suchen objektive Diagnostik. Wenn jemand ein eigenes Defizit erkennt und anschließend dieselbe Fähigkeit trainieren und seine Verbesserung messen kann, entsteht ein echter Mehrwert. Genau das sorgt am Ende auch wirtschaftlich für erfolgreichere Studios und Praxen.
Wie verteilt sich euer Geschäft heute?
Rund die Hälfte entfällt mittlerweile auf Physiotherapie und Selbstzahlerkonzepte. Etwa 40 Prozent kommen aus dem Fitnessmarkt und rund zehn Prozent aus Spitzensport und Militär. Gerade der medizinische Bereich wächst aktuell sehr dynamisch.
Welcher Markt steht aktuell bei eurer internationalen Expansion besonders im Fokus?
Vor allem die USA sind für uns ein zentraler Wachstumsmarkt. Dort sind Universitäten, der Profisport und medizinische Einrichtungen extrem offen für Innovationen. Gepaart mit der schieren Marktgröße gehen wir davon aus, dass wir in den USA langfristig mehr Umsatz erzielen werden als in Deutschland.
Welche Rolle spielen Spitzensport und Militär für SKILLCOURT?
Sie dienen uns weniger als reiner Umsatztreiber, sondern vielmehr als ultimativer Qualitätsnachweis. Wenn Bundesligisten, Premier-League-Clubs, NFL-Teams, die UFC oder renommierte US-Universitäten mit SKILLCOURT arbeiten, zeigt das eindrucksvoll, dass unsere Systeme höchsten fachlichen Ansprüchen standhalten. Gleichzeitig erhalten wir aus diesem Spitzenfeld wertvolles Feedback von einigen der besten Trainer und Therapeuten der Welt – wovon am Ende alle unsere Kunden profitieren.
Neben SKILLCOURT gibt es mit dem next level Therapie- und Trainingszentrum noch ein weiteres Unternehmen, das einen großen Teil deiner unternehmerischen Geschichte ausmacht.
Absolut. Ich habe das next level Therapie- und Trainingszentrum 2008 gegründet. Dort ist letztlich auch SKILLCOURT entstanden. Über viele Jahre waren Gesundheitseinrichtung und Technologieunternehmen unter einem Dach vereint – mit Therapie, Training, Entwicklung und Produktion an einem Standort. Mit dem Wachstum wurde immer deutlicher, dass beide Unternehmen ganz unterschiedliche Anforderungen haben.
Heute hat SKILLCOURT einen eigenen Hauptsitz in Bergrheinfeld, nur wenige Minuten vom next level entfernt.
Dort befinden sich heute Entwicklung, Produktion, Auslieferung und Verwaltung. Diese räumliche Trennung war ein wichtiger Schritt, weil SKILLCOURT dadurch als eigenständiges Unternehmen weiter wachsen kann. Gleichzeitig bleiben die Wege kurz und die Verbindung zum next level erhalten.
Deshalb hast du auch einen Teil der Anteile am next level abgegeben?
Es gab durchaus Kaufangebote, bei denen ich kurz überlegt habe. Doch ein Komplettverkauf kam nie infrage – dafür stecken zu viel Herzblut, Geschichte und Verbundenheit im Unternehmen. Stattdessen habe ich 30 Prozent an zwei langjährige Mitarbeiter übergeben. Sie führen das next level Therapie- und Trainingszentrum längst wie ihr eigenes. Für mich war das der beste Weg, um gezielt Verantwortung zu übertragen, mich zu 100 Prozent auf SKILLCOURT zu konzentrieren und dem Zentrum dennoch eng verbunden zu bleiben. Gute Führung bedeutet für mich, Menschen aufzubauen, die ihren Job irgendwann besser machen als man selbst.
Wo steht das Thema VIKOMOTORIK insgesamt?
Wir stehen erst am Anfang. Beim Krafttraining hat es Jahrzehnte gedauert, bis seine Wirkung anerkannt wurde. Bei der VIKOMOTORIK wird das schneller gehen, da sich Wissen heute rasanter verbreitet. Dennoch braucht es Aufklärung: VIKOMOTORIK beschreibt das gezielte Zusammenspiel von visueller Wahrnehmung, kognitiver Verarbeitung und motorischer Umsetzung. Moderne Diagnostik und modernes Training müssen genau diese Schnittstelle gemeinsam betrachten – darin liegt aus meiner Sicht die Zukunft.
Fotos ©SKILLCOURT







