Neues Headquarter, modernisierte Clubs und neue Wachstumspläne: Bei der RSG Group ist einiges in Bewegung.
Stephan Pallmann, Director Brand & Customer Management, spricht über den neuen Standort im Bötzow Areal, die Zukunft von McFIT, JOHN REED und Gold’s Gym, Kundenbindung, Aggregatoren und den weiteren Kurs der Gruppe.
body LIFE: Stephan, wir sitzen hier im neuen Headquarter der RSG Group auf dem Gelände der denkmalgeschützten Bötzow-Brauerei – direkt über dem JOHN REED Bötzow. Welche Bedeutung hat dieser Umzug für euch?
Stephan Pallmann: Für uns ist das natürlich ein besonderer Standort. Wir haben hier die Unternehmenszentrale und gleichzeitig direkt darunter mit JOHN REED unser eigenes Produkt. Diese Nähe ist schon etwas Besonderes. Wir sitzen nicht irgendwo losgelöst in einem Bürogebäude, sondern haben unmittelbar vor Augen, worum es bei unserer Arbeit am Ende geht. Gleichzeitig ist der Umzug auch ein sichtbarer Schritt in der Entwicklung des Unternehmens.
Diese Entwicklung sieht man derzeit besonders deutlich bei McFIT. Wie erfolgreich läuft die große Modernisierung?
Für uns ist die Modernisierung eine echte Erfolgsgeschichte. Es geht nicht einfach um Bauprojekte, sondern darum, unser Markenversprechen einzulösen. Ein Fitnessstudio ist heute mehr als ein Ort, an dem Geräte stehen. Gerade für die jüngere Generation entwickelt es sich zunehmend zum „Third Place“, also zu einem Ort, an dem man gerne Zeit verbringt. Entsprechend müssen wir Emotionalität schaffen und Möglichkeiten bieten, länger im Studio zu bleiben. Die Modernisierungen funktionieren, deshalb werden wir diesen Weg kontinuierlich weitergehen.
Gleichzeitig rückt die Bindung bestehender Mitglieder stärker in den Fokus.
Sehr stark sogar. Über viele Jahre lag der Fokus darauf, neue Studios zu eröffnen. Seit zwei, drei Jahren beschäftigen wir uns intensiver mit der Frage: Wie sorgen wir dafür, dass die Menschen, die bereits bei uns trainieren, zufrieden sind und bleiben? Studiozutritte sind dabei für uns eine der härtesten Währungen. Wer regelmäßig kommt, nutzt das Produkt und kündigt normalerweise auch nicht. Deshalb setzen wir beispielsweise unser McFIT-Kundenbindungsprogramm komplett neu auf. Statt Mitglieder lediglich für die Dauer ihrer Mitgliedschaft zu belohnen, wollen wir stärker mit Challenges, Fortschrittsstufen und Gamification arbeiten.
Eure Mitglieder sind weiterhin überwiegend jung. Was bedeutet das für die Positionierung von McFIT?
Unser Schwerpunkt liegt klar zwischen 15 und 39 Jahren, mit einem besonders hohen Anteil zwischen 15 und 29. Für einen 20-Jährigen ist Longevity normalerweise noch kein großes Thema. Der möchte fit sein und gut aussehen. Ich glaube sogar, dass ein trainierter Körper in Teilen der Jugendkultur zu einem neuen Statussymbol geworden ist. Eine Luxusmarke kann man faken – einen durchtrainierten Körper nicht. Den muss man sich erarbeiten. Gleichzeitig wollen wir McFIT breiter positionieren. Die klassischen Bodybuilder machen nur einen kleinen Teil unserer Mitglieder aus. Wir wollen zeigen, dass McFIT für sehr unterschiedliche sportliche Ziele funktioniert.
Dazu gehört auch, mehr Frauen für McFIT zu gewinnen. Was habt ihr aus dem Feedback eurer Mitglieder gelernt?
Ein konkretes Ergebnis unserer Befragungen sind die neuen separaten Frauenbereiche. Das sind keine kleinen Ecken mit zwei oder drei Hanteln mehr, sondern vollwertige Trainingsbereiche, die je nach baulichen Voraussetzungen direkt aus der Frauenumkleide zugänglich sind. Teilweise sprechen wir über rund 300 Quadratmeter, auf denen ein umfassendes Training möglich ist. Das Feedback darauf ist wirklich sehr gut. Wir sehen an entsprechenden Standorten auch, dass der Frauenanteil steigt. In Köln beispielsweise lagen wir vorher bei rund 35 Prozent und kommen mittlerweile auf etwa 45 Prozent. Das zeigt uns ziemlich deutlich, dass dieses Konzept funktioniert.
HYROX ist eines der weiteren großen aktuellen Themen. Welche Entwicklung seht ihr darüber hinaus?
HYROX ist definitiv ein Riesenthema. Wir bieten mittlerweile in zahlreichen Studios spezielle Trainingsmöglichkeiten, mit denen sich Mitglieder gezielt auf Wettkämpfe vorbereiten können. Darüber hinaus beschäftigt uns das Thema Hybrid Athletes. Wir wollen auch Menschen erreichen, deren eigentliche Sportart Fußball, Tennis, Golf oder etwas anderes ist. Wer zusätzlich Kraft, Stabilität und Kondition trainiert, kann auch in seiner eigentlichen Sportart besser werden. Genau dafür kann das Fitnessstudio die Basis liefern.
Parallel habt ihr in Berlin ein personalloses Studiokonzept getestet. Wie geht es damit weiter?
Das Konzept funktioniert so gut, dass wir damit in Serie gehen werden. Im kommenden Jahr wollen wir mehrere dieser Studios eröffnen. Kleinere Standorte in guten Lagen lassen sich schneller finden und realisieren. Die Idee ist, das Gym stärker in die Nachbarschaft zu bringen. Ich sehe das aber als Ergänzung und nicht als Blaupause dafür, klassische McFIT-Studios grundsätzlich personallos zu machen. Dort bleibt Personal gerade für Einsteiger, neue Trainingsangebote und die Community wichtig.
Bei JOHN REED habt ihr sehr unterschiedliche Clubtypen und Preisklassen. Wo soll die Marke hin?
Das zu harmonisieren, ist eine große Aufgabe, bei der wir mittendrin sind. Einige unserer Top-Clubs bieten Pool, Sauna und ein sehr umfangreiches Angebot, während sich andere Standorte bislang vor allem durch das Design von McFIT unterscheiden. Das allein reicht auf Dauer nicht. Gleichzeitig erreichen wir je nach Club sehr unterschiedliche Zielgruppen. In höherpreisigen JOHN REED Clubs haben wir beispielsweise viele Frauen ab 45 und beschäftigen uns stärker mit Themen wie Frauengesundheit. Wir wollen verstehen, was die jeweiligen Mitglieder bewegt und daraus passende Angebote und Mehrwerte entwickeln.
Und welche Rolle spielt Gold’s Gym künftig?
Gold’s Gym ist eine faszinierende, aber in Europa erklärungsbedürftige Marke. In den USA ist Gold’s Gym praktisch ein Synonym für Fitness. In Deutschland kennen viele Menschen Gold’s stärker als Apparel-Marke. Wir haben tolle Clubs, unter anderem in Berlin und München, aber aktuell konzentrieren wir uns auf unsere Kernmarken und Kernmärkte. Eine große Expansion mit eigenen Gold’s-Gym-Standorten steht deshalb nicht im Vordergrund. Im Franchisebereich gibt es weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten.
Mit Wellhub und Sports Club habt ihr euch jüngst exklusiv auf zwei Aggregatoren festgelegt. Warum sind diese Plattformen für euch inzwischen so interessant?
Als wir vor rund drei Jahren mit Wellhub gestartet sind, waren wir zunächst sehr skeptisch. Uns hat überrascht, wie stabil sich dieses Geschäft entwickelt hat und wie gering die Kannibalisierung war. Ein sehr großer Teil der Nutzer war für uns tatsächlich zusätzliches Geschäft. Die Erfahrungen waren so positiv, dass wir diesen Bereich weiterentwickelt haben. Mit Wellhub decken wir den B2B- und mit Sports Club den B2C-Bereich ab.
Damit konkurrieren Aggregatoren letztlich aber auch mit eurer eigenen Mitgliedschaft.
Genau deshalb müssen wir unseren eigenen Mitgliedern klare Mehrwerte bieten. Unser Ziel bleibt, möglichst viele Menschen direkt als Mitglieder bei McFIT oder JOHN REED zu halten. Ein Kundenbindungsprogramm, besondere Events oder Angebote können Vorteile sein, die ein Aggregator-Nutzer nicht bekommt. Wer dauerhaft bei uns trainieren möchte, soll einen guten Grund haben, sich direkt für unsere Mitgliedschaft zu entscheiden.
Nach dem tragischen Tod von RSG-Gründer Rainer Schaller ist sein Bruder Gerd Schaller zunehmend in die operative Führung des Unternehmens gerückt. Sein Weg dorthin ist ungewöhnlich: Er ist ausgebildeter Mediziner und hat vor allem als Dirigent Karriere gemacht. Ist er heute endgültig der starke Mann an der Spitze der RSG?
Ja, absolut. Gerd ist jeden Tag im Büro, kümmert sich um alles und arbeitet sich sehr tief in die unterschiedlichen Bereiche ein. Ich glaube, viele von uns haben am Anfang nicht erwartet, dass ihn das operative Geschäft in dieser Form interessieren würde. Aber das tut es sehr. Er hat klare Ideen und Vorstellungen und gestaltet das Unternehmen immer stärker mit.
Und dieser Kurs unterscheidet sich durchaus von dem anderer großer Betreiber. Während der deutsche Fitnessmarkt gerade von Übernahmen und Konsolidierung geprägt ist, hält sich die RSG auffällig zurück. Ist dieses kontrollierte Wachstum auch Ausdruck der neuen Führung?
Zukäufe waren historisch nie unser Hauptweg. Wir haben meistens versucht, aus eigener Kraft zu wachsen. Nach Rainers Tod haben wir zudem stark konsolidiert. Es gab viele ambitionierte Pläne, die eng mit seiner Person verbunden waren. Wir haben Märkte abgegeben und uns neu sortiert. Dieser Konsolidierungsprozess wirkt bis heute nach. Die entscheidende Frage ist für uns nicht, wie schnell wir möglichst viele Studios kaufen können, sondern wie wir gesund und solide wachsen.
McFIT soll zugleich über Franchise international weiterwachsen. Ist das der Weg zu den nächsten Wachstumsschritten?
Das ist auf jeden Fall eine interessante Möglichkeit. Die Idee ist, McFIT auch über Master-Franchisepartner in weitere Märkte zu bringen. Parallel werden wir selbst weiterhin Studios eröffnen. Für mich ist aber mindestens genauso entscheidend, die Menschen zu halten, die bereits bei uns sind. Wir müssen ein Markenversprechen schaffen, das überall verlässliche Qualität bietet und gleichzeitig dafür sorgt, dass die Menschen gerne und möglichst häufig zu uns kommen. Wenn uns das gelingt, haben wir eine sehr gute Grundlage für weiteres Wachstum.
Fotos ©RSG-Group







